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4 Basisfaktoren für empathisches Handeln – Hilfe ja, aber die Richtige!

4 Basisfaktoren für empathisches Handeln

Empathisches Handeln basiert auf klaren Entscheidungen nicht auf Emotionen. Wenn ein Mensch in einem Gespräch von seinen Erfahrungen berichtet, denken wir manchmal, dass es nun etwas zu tun gibt. Dieser Gedanke kommt uns besonders dann, wenn es sich dabei um schmerzhafte Erfahrungen handelt. Reagieren wir dann mit vorschneller Hilfe auf die Erzählung, tun wir das sehr wahrscheinlich, weil wir den Schmerz dieses Menschen „in Ordnung“ bringen wollen. Ohne uns dessen bewusst zu sein, verstärken wir dadurch das Leid des Erzählers.

Wir gehen dann fälschlicherweise davon aus, dass von uns eine Lösung erwartet wird. Dem kann so sein, muss aber nicht. In den meisten Fällen ist es eher nicht der Fall. Zwar hat dieser Mensch ein Bedürfnis uns gegenüber oder zumindest ein Anliegen. Welches das genau ist, offenbart sich jedoch nicht immer auf den ersten Blick.

Es kann verschiedene Gründe haben, warum dir jemand etwas erzählt. Das hängt von vielen Faktoren ab. Einer davon ist die Beziehung selbst. Dein Partner wird dir etwas aus anderen Gründen erzählen, als eine Mitarbeiterin. Die Absicht selbst spielt ebenfalls eine große Rolle. Geht es deinem Gegenüber darum, dich zu informieren oder wünscht er sich Unterstützung von dir. Du weißt es nicht.

Eigene Gedanken zurückstellen

Es gibt so viele Bedürfnisse, dass du im besten Fall knapp, im schlechtesten komplett daneben liegst mit deiner Vermutung. Es braucht schon feine Antennen, um genau das Richtige zu treffen. Wenn du auf deine Vermutung ungeprüft reagierst, geht dein Handeln wahrscheinlich an den wahren Bedürfnissen deines Gegenübers vorbei. Deshalb habe ich mir angewöhnt, nicht mehr zu raten, sondern direkt nachzufragen.

Die meisten Menschen wünschen sich, ihre Geschichte zunächst einmal ungestört und vollständig erzählen zu können.

Außer hinzuhören, gibt es zunächst gar nichts zu tun.

Dein Gegenüber fühlt sich verstanden, bestärkt, gesehen oder auch unterstützt.

Dem Zuhören kommt eine besondere Bedeutung zu. Dabei spielt es zunächst keine große Rolle, ob der Gesprächsinhalt von einer angenehmen oder von einer unangenehmen Erfahrung handelt.

Die Füße still halten

Ein Beispiel: Eine Mitarbeiterin kommt aufgeregt in dein Büro gelaufen. Sie erzählt dir, dass ihr Mann gerade ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Du spürst ihre Aufregung und Sorge. Was du noch nicht weißt, ist, warum sie zu dir gekommen ist.

Will sie dich nur informieren, dass sie in den nächsten Tagen Überstunden abbummeln und zeitig gehen wird? Möchte sie jetzt sofort zu ihrem Mann ins Krankenhaus fahren? Will sie dir sagen, dass sie ihren Mann die nächsten Wochen pflegen und deshalb frei nehmen muss?

Du weißt es nicht!

Ihre Aufregung ist nachzuvollziehen. Wenn du dich aber davon anstecken lässt und ihr eine Lösung anbietest, die du für richtig hältst, wirst du ihr nicht gerecht. Sie kommt dann nicht dazu, ihre Bitte vorzutragen. Wenn deine Lösung ihrer Bitte entsprach, hast du Glück. Wenn nicht, machst du es ihr noch schwerer.

Empathisches Handeln ist nicht Helfen per se, sondern ein bedachter Weg einem anderen Menschen Raum zu geben. Es geht darum, die Bedeutung des Erlebten für diesen Menschen zu verstehen – also nicht zwingend um Mitgefühl, sondern zunächst um kognitive Empathie.

Weg vom Geschehen

Springst du im Gespräch zu deinen Gedanken darüber, bist du mit deiner Aufmerksamkeit nicht mehr beim Gegenüber. Von nun an bist du mit deinen eigenen Gedanken zu der Geschichte beschäftigt. Es ist sogar möglich, dass der Gesprächsverlauf nun auf dieser Basis weiterläuft, z. B. indem du…

  • von dir und deinen Erfahrungen erzählst.
  • das Gesagte in irgendeiner Form bewertest oder es in Frage stellst.
  • deinem Gegenüber (d)eine Lösung anbietest.

Streng genommen bist du ab diesem Moment nicht mehr mit dem Erzähler, sondern mit dir und deiner Geschichte in Kontakt. Das erkennst du besonders dann, wenn du nach einem solchen Gespräch Stress empfindest, weil du mal wieder in die Bresche gesprungen bist. Auch wenn es sich so anfühlt, als wäre dein Gegenüber die Ursache dafür, ist es das nicht. Du hast schlichtweg nicht bis zu Ende zugehört und deine Lösung über die deines Gegenübers gestellt.

Hinhören ist ein guter Weg, sich vorschnelles Helfen abzugewöhnen.

Das erfordert einige Übung aber es lohnt sich. Du hast mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge. Statt dir fremde Köpfe zu zerbrechen, kannst du nun ohne Druck Aufmerksamkeit schenken.

Achtsam zuhören

Dafür brauchst du vor allem den Blick von oben auf den Erzähler und seine Erfahrung. Wichtig ist aber auch, dass du einen Teil deiner Wahrnehmung bei dir behältst, damit du deine Gedanken mitbekommst. Das ermöglicht dir die notwendige innere Distanz zu dem Gehörten. Du bleibst professionell und behältst deine Handlungsfähigkeit. Es ist niemandem damit gedient, wenn sich zwei Menschen aufregen oder sorgen. Du kannst dich emotional berühren lassen, aber du solltest nicht unbedacht auf deine Emotion (oder die Geschichte, die du darüber denkst) reagieren.

Mit Achtsamkeit behältst du im Gespräch die notwendige innere Distanz. Klick um zu Tweeten

Achtsamkeit hilft dir, das Kommentieren deines Geistes wahrzunehmen. Statt darauf zu reagieren, lässt du es unbeachtet und richtest dich immer wieder auf dein Gegenüber aus. Das ist kein Zauberwerk, sondern lediglich ein Geistestraining. Je häufiger du das übst – egal in welchem Zusammenhang – desto leichter fällt es dir auch im Gespräch mit anderen. Hier findest du 43 Achtsamkeitsübungen für deinen Alltag.

Empathisch handeln

Empathisches Handeln basiert auf Achtsamkeit. Ohne die achtsame Haltung bleibt dein Handeln reaktiv. Empathisch ist ein Handeln dann, wenn es die Situation des Gegenübers berücksichtigt. Das bedeutet nicht zwingend, dass du Hilfe oder Unterstützung anbietest. In dem vorgenannten Beispiel könnte das bedeuten, dass Du fragst, was die Mitarbeiterin jetzt von dir braucht.

Wenn du davon ausgehst, dass dein Gegenüber die bestmögliche Lösung kennt, ist das die optimale innere Haltung für empathisches Handeln. An den folgenden Faktoren erkennst du es bei dir und anderen.

4 Basisfaktoren für empathisches Handeln:

  1. Aufrichtiges Interesse an der Wahrnehmungswelt eines Menschen
  2. Die Fähigkeit, eigene Bewertungen unberücksichtigt zu lassen
  3. Respekt vor dem persönlichen Raum eines anderen Menschen
  4. Achtung vor seiner Fähigkeit, selbst zu entscheiden und dafür Verantwortung zu übernehmen

Diese vier Faktoren erfüllen die wichtigsten emotionalen Basisbedürfnisse: Aufmerksamkeit, Beachtung, Annahme, Akzeptanz, Achtung, Respekt, Raum. Sind diese Bedürfnisse erfüllt, fühlen wir uns wohl. Mit ihnen begegnen wir anderen Menschen auf Augenhöhe und lassen ihnen die Verantwortung für ihr Leben.

Jeder dieser Faktoren ist eine Herausforderung für den Geist. Es widerstrebt seiner Natur und dem, was wir gelernt haben. Deshalb fällt es uns so schwer, aufmerksam zu sein und unsere eigenen Gedanken ruhen zu lassen während wir zuhören. Unser Geist kommentiert ständig, was er hört, sieht oder auf andere Weise wahrnimmt. Das erkennst du spätestens dann, wenn du auf einem Meditationskissen sitzt und versuchst deinen Geist auf deinen Atem auszurichten.

Hier wird das Gespräch mit einem anderen Menschen deine Meditation.

Folgen von Unachtsamkeit

Wie beschrieben, haben wir manchmal eine falsche Vorstellung davon, was unseren Mitmenschen wirklich hilft. Wenn wir dann unsere Lösung ungefragt präsentieren, kann das besonders in der Führung unangenehme Folgen haben.

Wer sich nicht vollständig ausdrücken und seine Wünsche vorbringen konnte, der wird darauf auf die ihm eigene Weise reagieren. Die wenigsten benennen ihren Frust dann offen. Vielmehr ist zu erwarten, dass darüber hinter vorgehaltener Hand mit Kollegen getuschelt wird. Du bekommst davon häufig nicht viel mit. Eventuell erkennst du es an…

  • Widerstand und Rebellion
  • Rückzug oder Schweigen
  • vermehrten Intrigen
  • nachlassender Kooperation

Es macht daher durchaus Sinn, achtsames Zuhören und empathisches Handeln zu üben. Du bleibst dadurch mit deinen Mitarbeitern in einem ehrlichen Austausch. Sie merken, dass du wirklich hinhörst und ihnen den Raum schenkst, den sie brauchen.

Sie danken es dir mit ihrem Vertrauen.

Welche wichtige Frage brennt dir zu empathischem Handeln unter dem Nagel?

Deine

Claudia

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4 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Carolin sagt:

    Liebe Claudia,

    ich möchte dir danken für diesen wertvollen Artikel. Ich bin immer wieder berührt, wie fein und klug du wahrnehmen kannst. Vieles ist mir nicht neu, doch in der differenzierten Art und Weise, wie du empathisches Handeln und mit diesem „nicht-bewertendes“ Hinhören beschreibst, picke ich mir dann doch wieder Neues für mich heraus. Die eigenen Gedanken zum Gesagten, Gezeigten des Gegenübers ruhen zu lassen, ist eine wahre Kunst. Und sicher können wir uns darin üben – ob im privaten oder beruflichen Kontext. A propos „beruflich“: Spannend auch, wie sich dein Wirken & Schaffen ausdifferenziert hat in der Arbeit mit bzw. dem Kontext „Führungskräfte“.

    Alles Gute zu dir, ein feines Wochenende dir & deinen Leser*innen wünscht
    Carolin

    1. Liebe Carolin,

      Dankeschön, für diese wertschätzende Rückmeldung. Ich freue mich sehr darüber, ich lese Deine Artikel ebenso gerne und finde immer wieder Neues darin. Ja, bei mir ist vieles in Bewegung. Dieser Prozess ist immer noch im Werden. Ich bin gespannt…

      Dir auch ein zauberhaftes Wochenende und ganz liebe Herzensgrüße
      Claudia

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