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Abgrenzung leicht gemacht

Abgrenzung leicht gemacht

Ein Gastbeitrag von Jana Ludolf

Das Wort Grenze kommt aus dem altpolnischen und stellt den Rand eines Raumes dar. Eine sogenannte Trennlinie oder gar Trennfläche. Eine Abgrenzung steht für die individuelle Setzung einer Distanz bei sozialen Interaktionen, zum Beispiel in der Kommunikation. Nehmen wir nun beide Worte zusammen, bedeuten diese, eine eigene Grenze für deinen eigenen Raum festzulegen. Sowohl innen (Gesprächsdistanz) wie außen (Wohnung).

Jeder von uns hat somit seine eigenen Grenzen. Seinen eigenen individuellen Raum. Der Raum, in dem sich jeder von uns wohl und sicher fühlt. Unsere Schutzhöhle im Alltag. Hierher können wir uns zurückziehen, sinnieren und reflektieren und jammern. Je nach Tagesform brauchen wir das eine mehr als das andere.

Grenzen sind wichtig. Sie geben uns Halt im Alltag und unterstützen uns. Jedes Mal wenn eine Grenze laut wird, weil sie nicht geachtet wurde, ist das ein Zeichen für uns. Dafür, mehr auf uns aufzupassen. Für mehr Ruhe und Entspannung zu sorgen. Weg von den anderen zu schauen und mehr auf sich zu blicken. Grenzen helfen uns gesund zu bleiben. Sowohl physisch als auch psychisch.

Was aber tun, wenn unsere Grenzen nicht respektiert werden?

Zu allererst ist es wichtig, seine Grenzen zu kennen. Das heißt, sich mit sich und seinen Bedürfnissen und Werten auseinanderzusetzen. Nur was wir kennen, können wir beschützen. Wenn wir wissen, wie groß unser Intimkreis ist, können wir laut STOPP rufen, wenn unser Chef in diesen eindringt. Nur wenn wir unsere größte Angst kennen, können wir Einhalt gebieten und uns schützen. Nur wenn wir unsere Traurigkeit kennen, können wir mit der Trauer der anderen umgehen. Die eigenen Grenzen anzunehmen ist in manchen Situationen nicht leicht. Warum? Es bedeutet, für sich einzustehen. Laut Stopp zu rufen, wenn jemand diese Linie ungefragt überschreitet. Vielleicht der besten Freundin mal auf die Füße treten, wenn sie es mal wieder nur gut mit dir meint.

Was ist mit den Grenzen anderer?

So wie du deine Grenze hast, haben deine Mitmenschen ihre Grenzen. Sie bestimmen die Nähe zu dir. Ebenso legen sie fest, was sie dir mitteilen und was nicht. Dies gilt es zu achten und zu respektieren. So wie wir uns keine Einmischung in unser Feld wünschen, so halten wir uns aus dem Feld der anderen raus. Tipps und Tricks sind gut gemeint, allerdings an mancher Stelle schlichtweg nicht gefragt. Und statt jemandem mit unseren Ideen zu helfen, irritieren wir ihn vielleicht nur. Warum? Weil wir uns ungefragt eingemischt haben und so als „Suppenspucker“ da stehen.

Wie kann ich mich abgrenzen?

Selbstfürsorge ist ein wichtiges Gut. Gerade in unserer heutigen Zeit. Diese ist oft sehr hektisch und wir kommen mit vielen Menschen zusammen. Sind wir mit Menschen zusammen, die uns gut tun, dann fühlen wir uns sicher. Wir respektieren ihre Grenzen und sie unsere. Meistens suchen wir den Kontakt freiwillig und gerne. Auf der anderen Seite gibt es die Menschen, mit denen wir weniger freiwillig zusammen sind. Sei es aus beruflichen oder privaten Gründen. In diesen Verbindungen können wir selten die Umstände ändern.

Beispiele zur Veranschaulichung:

  • In der Sportgruppe – da können wir nicht alle Teilnehmer auswählen, es sei denn, wir sind der Kursleiter.
  • Im Kollegium. Unsere Kollegen werden eher vom Personalchef ausgewählt als von uns. Nur wenige Abteilungsleiter beziehen in solche Entscheidungen die Meinung und Wahrnehmung der Mitarbeiter mit ein.
  • Auf einer Geburtstagsfeier einer guten Freundin. Ihre Freunde sind nicht automatisch deine Freunde. Das ist zum einen gut, da Verschiedenheiten das Leben erst interessant machen. Zum andern kann es anstrengend sein, seine Zeit mit Mitmenschen zu verbringen, die nicht zum eigenen Lebensstil passen.

In diesen Situationen kann es ganz schnell passieren. Deine Grenze und die deines Gegenübers verwischen miteinander. So, als hätte der Zollbeamte gerade frei und dieser lässt jeden ungehindert in deinen Raum, auf dein Territorium. In diesem Moment fühlen wir uns völlig überrollt. Du spürst es in deiner Magengegend – da grummelt es vor sich hin. Du spürst es in deiner Herzregion – dort schlägt es wie wild. Du spürst es in deinen Händen – schwitzen und zittern inklusive. Und anstatt du nun laut STOPP rufst, bist du wie gelähmt und lässt es einfach geschehen. Die ungefragten Tipps zu deinem Liebesleben, die ungefragten Ratschläge zu deiner weiteren beruflichen Laufbahn, die ungefragten Impulse zu deiner Freizeitgestaltung.

Eine weitere Situation kann sein, dass du als Zuhörer fungierst und die Geschichte deines Gesprächspartners in dir etwas auslöst. Du fühlst dich verantwortlich, für das was geschehen ist. Du bist bestürzt über das, was du gehört hast. Du bist traurig, über das was dem anderen passiert ist. Wenn solche Gefühle in dir lebendig sind, dann ist deine Grenze mit der deines Partners verschmolzen.

Sowohl in den erst genannten Situationen, als auch in den zweit genannten – beide Male fehlt dir die Abgrenzung. Eine klare Trennlinie zwischen deinem Erleben und deiner Welt gegenüber deinem Freund, Kollegen oder gar Fremden.

Was hier hilft ist Klarheit. Klarheit über die eigenen Grenzen. Klarheit darüber, wie weit du bei deinem Gegenüber gehen kannst. In welchen Situationen du dich wohl fühlst und welche in dir ein unbehagliches Gefühl auslösen.

Diese Klarheit gewinnst du, indem du dich mit dir beschäftigst. Dich in den jeweiligen Momenten beobachtest. Wahrnimmst, was mit dir geschieht. Wo es in deinem Körper zwickt und kribbelt.

Im Anschluss daran: Kommuniziere deine Grenzen. Dir gegenüber und deiner Umwelt. Sage laut und deutlich, was dir gut tut und was dir unangenehm ist. Gib deiner Grenze eine Stimme, damit sie wahrgenommen werden kann – von dir und anderen. Sende klare Botschaften. So wertschätzt du dich und kannst Wertschätzung von anderen erfahren. In dem du für dich sorgst, klar und deutlich, können sie ebenso für dich da sein. Wenn sie deine Grenzen kennen, dann haben sie die Chance diese zu achten und zu respektieren.

Mit sonnigen Grüßen

Jana

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Jana Ludolf – Familiencoach & Kommunikationstrainerin
Lebensgefühl stärken – Kommunikation fördern – Entspannter leben
„Die Sprache ist die Kleidung der Gedanken.“ Dieses Zitat von Samuel Johnson begleitet Jana seit vielen Jahren und sagt genau das aus, was sie mit ihrer Arbeit als Familiencoach & Kommunikationstrainerin erreichen möchte: Menschen unterstützen, ihre Kommunikation zu fördern, zu verbessern und zu stärken.
Janas Webseite: http://janaludolf.com

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3 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Ich lese Deine Beiträge immer wieder gerne, sie sind klar und verständlich und regen zum Nachdenken an. Mir geben sie für meine Arbeit auch Impulse, weil Wahrnehmung und Angst ja viel miteinander zu tun haben. Danke schön und ich wünsche ein erholsames Wochenende.

    Herzliche Grüße

    Rolf

    1. Lieber Rolf,
      vielen Dank. Das freut mich, dass du gerne hier liest. Dieses Mal bin nicht ich die Verfasserin des Beitrages. Ich mache gerade eine kleine kreative Pause und deshalb hat heute Jana Ludolf geschrieben. Ihre Ansätze passen ganz wunderbar auf diese Seite.
      Liebe Grüße
      Claudia

  2. Stella sagt:

    Ein toller Artikel, danke Jana!
    Ganz ganz wichtig find ich, was du schreibst übers eigene Grenzen gut kennen – nur wenn wir sie selbst gut kennen und wahrnehmen (verschieben sich ja auch gern von Situation zu Situation) , und auch selber respektieren und sie zeigen, haben andere eine Chance, nicht drüberzutrampeln 🙂
    Was ich gern ergänzen würde zu der Frage „Was, wenn deine Grenzen nicht respektiert werden?“ – ich finds sehr wichtig dran zu denken, dass unsere Grenzen extrem unterschiedlich sind (muss grad an einen früheren Chef denken, der einen echten Wutanfall bekommen konnte, wenn jemand zu ihm sagte: „Das musst du gesehen haben, so eine tolle Aufführung“ – weil er eine schlimme Allergie gegen das Wort müssen hatte, sogar wenn es in so harmlosen Zusammenhängen daherkam). Und dass deshalb andere einfach nicht automatisch wissen, wo deine sind. Was für den einen ein Nähe-Angebot ist und liebevolles Helfenwollen (der ungefragte Ratschlag z. B. ) ist für jemand anders ein Übergriff. Wer das über uns nicht weiß, was für uns ein Übergriff ist, der ist nicht respektlos – der weiß es nur nicht. Ich finde dieser Gedanke entschärft ein bisschen das ungute Gefühl von „nicht respektiert werden“ – zumindest wenn es das erste Mal ist, dass jemand drübersteigt.
    Bin schon gespannt auf Euer Webinar!

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