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Gedanken sind nicht die Realität!

Gedanken sind nicht die Realität

Stell‘ Dir vor, du hast an einem stressigen Tag, nach einer konfliktreichen Zeit oder emotionaler Aufruhr endlich einen Moment für dich. Du sitzt da und in deinem Kopf geht die Post ab. Du streitest in Gedanken immer noch mit deinem Partner oder einem Mitarbeiter. Keinen dieser Gedanken willst du haben aber irgendwie wollen sie dich nicht loslassen.

Es fühlt sich an, als hättest du keinen Einfluss darüber und das macht dich schier verrückt.

Wenn du dann den ganzen Kram, der da in deinem Kopf herumfleucht auch noch glaubst, wird deine Laune bald auf dem Tiefpunkt sein.

Welche Gedanken dürfen da sein?

Wenn wir denken, wir hätten keinen Einfluss auf unsere Gedanken, ist das auch ein Gedanke. Statt uns das inner Schauspiel wie einen spannenden Kinofilm anzuschauen,  lehnen wir uns gegen solche Gedanken auf weil sie unangenehm sind. Hinter dem Widerstand steckt häufig der Wunsch, ein guter Mensch zu sein. Wer gibt schon gerne zu, dass er sich in Gedanken über andere stellt, sich selbst oder andere abwertet, vielleicht sogar verachtende Gedanken denkt? Je nach innerer Haltung erlauben wir uns nicht, solche Gedanken bewusst wahrzunehmen. Nicht, dass wir sie nicht hätten. Wir versuchen, sie auszublenden. Ein nutzloses Unterfangen, denn gerade Gedanken, gegen die wir uns auflehnen, können besonders penetrant sein.

Lieber zwingen wir uns zu freundlichen Gedanken, mit denen wir vor uns selbst und anderen gut dastehen. Dabei ist die Furcht, der unerwünschte Gedanke könne sich ausbreiten, längst wahr geworden.

Gedanken entwickeln schöpferische Energie.

Das Problem an der Geschichte ist, dass gerade die unterdrückten, verleugneten Gedanken schöpferische Energie entwickeln. Wenn du etwa über einen längeren Zeitraum darüber nachdenkst, dass ein Kunde dich nervt, wird sich dieser Kunde früher oder später von dir abwenden. Vielleicht erinnerst du dich gar nicht mehr daran, dass du diesen Gedanken gehabt hast und dein Kunde diese Energie einfach nur aufgegriffen hat. Hier braucht es Verantwortung für die eigenen Gedanken und die Fähigkeit, den anderen von dieser Verantwortung freizusprechen. Er hat nur deine geheimen Wünsche erhört und dir letztendlich einen Gefallen getan.

Wie kannst du aber mit den ungeliebten Gedanken anders umgehen? Für mich funktioniert am besten, sie zu überprüfen. Weiter unten gehe ich hierauf näher ein.

Wie befreist du dich von unangenehmen Gedanken?

Das nächste Mal, wenn es in deinem Kopf rund geht, erlaube dir für einen Moment die Gedanken in deinem Kopf wahzunehmen. Setze dich irgendwo hin, wo du nicht gestört wirst und höre ihnen zu. Nimm wahr, welche Körperempfindungen der ein oder andere Gedanke auslöst. Oder wie dein Atem darauf reagiert.

Wer denkt denn da?

Mir hilft der Gedanke, dass es verschiedene Anteile in mir gibt. Da sind freundlich-unterstützende, weise und auch kleinliche oder kritische Anteile in mir. Jeder davon schickt mir Gedanken. Jeder dieser Gedanken erfüllt einen Zweck. Manchmal muss ich etwas genauer hinhorchen, um ihre Botschaft zu verstehen. Manchmal wird es mir sofort klar.

Einen dieser Anteile nenne ich „Motzki“. Dieser Anteil hat ein garstiges, total verzerrtes Gesicht. Die Haare stehen ihm zu Berge und er hat an allem und jedem etwas auszusetzen. Er ist hässlich und dabei irgendwie auch bedauerlich. Ich kann ihm nicht lange böse sein und muss meistens lachen, wenn ich seinem Drama zuschaue. Ich stelle mir diese Anteile übrigens als Comicfiguren vor, damit ich sie nicht allzu ernst nehme.

„Motzki“ taucht immer dann auf, wenn ich mich selbst eine Zeit lang aus den Augen verloren habe. Er versucht mir zu sagen, dass ich mich mehr um mich kümmern sollte. Um das richtig zu entschlüsseln, musste ich still werden und diesen Gedanken erlauben, sich vollständig auszudrücken. Wenn er sich vollständig ausgekotzt hat, frage ich ihn, was er braucht. Meistens sind das Mitgefühl, Verständnis oder auch mal Ruhe.

Unerfüllte Bedürfnisse lösen unangenehme Emotionen aus!

Wenn ich weiß, welches Bedürfnis bei mir unerfüllt ist, versuche ich es mir baldmöglichst zu erfüllen. „Motzki“ wird auf diese Weise zum unterstützenden Berater. Dafür musste ich ihm und seinen unangenehmen Gedanken nur ohne Bewertung zuhören. Und mir selbst geben, was ich brauche. Dann verschwinden auch die unangenehmen Gedanken.

Wie du unbewusste Gedanken aufspürst?

Manchmal ist es so, dass wir nicht mitbekommen, was wir über den Tag so alles denken. Ich habe irgendwo gelesen, dass uns von den circa sechzigtausend Gedanken nur etwa hundert bewusst sind. Das war eine erschreckende Nachricht für mich, weil ich mir der schöpferischen Energie von unbewussten Gedanken damals bereits sehr bewusst war. Ich entschied, mehr davon wahrzunehmen.

Die Achtsamkeitspraxis half mir dabei.

Denn wenn du einfach nur wahrnehmend bist, bekommst du mit, was da in deinem Geist geschieht. Nur wenn du sie wahrnimmst, kannst du deine Reaktionen auf sie ebenfalls bemerken. Das ist die Basis für jede Veränderung. Hast Du deine Gedanken erst wahrgenommen, kannst du sie überprüfen. Die 3 Siebe von Sokrates sind ein schneller Weg, der gut im Alltag angewendet werden kann.

Die 3 Siebe von Sokrates

Unter Stress sind wir leichter versucht, in diesen Strudel zu geraten. Wir brauchen kleine Hilfen, mit denen wir uns erinnern. Hier helfen die 3 Siebe von Sokrates:

  1. Ist es wahr?
  2. Ist es wohlwollend?
  3. Ist es wichtig?

Sokrates bezog sich dabei auf das gesprochene Wort. Gedanken sind Worte, die wir uns selbst erzählen. Deshalb macht es Sinn, sich diese 3 Fragen zu stellen, bevor sie zu gesprochenen Worten werden. Hier nun meine Gedanken zu den 3 Sieben von Sokrates – natürlich ohne Anspruch auf absolute Wahrheit.

1. Ist dieser Gedanke wahr?

Solange wir unsere Gedanken für die Realität halten, geben wir ihnen Macht. Sind die Gedanken angenehm, ist alles gut. Sind sie unangenehm, leiden wir oder fühlen uns ihnen ausgeliefert. Wir denken, wir hätten keinen Einfluss darauf. Aber genau das ist eine Illusion. Wir haben sehr wohl eine Wahl, ob wir einen Gedanken weiter verfolgen wollen. Gelingt es uns, einen Moment inne zu halten und von außen darauf zu schauen, können wir anders an ihn heran gehen. Wir identifizieren uns weniger mit ihm und bleiben offen.

Erfahrungen bringen Denkgewohnheiten hervor.

Der Trick ist, grundsätzlich nicht davon auszugehen, dass die eigenen Gedanken wahr sind. Sondern sie von vorn herein in Frage zu stellen. Das kann zunächst verunsichern, weil die innere Sicherheit ins Wanken gerät wo wir mit Gedanken identifiziert waren. Aber dieses Wanken ist heilsam. Es öffnet den Geist und macht uns wach. So können wir achtsam auf Gedanken sein, sie kommen und gehen sehen. Und bemerken, dass sie einfach nur auftauchen und wieder verschwinden. Weisen wir ihnen keine Relevanz zu – was geschehen würde, wenn wir sie für wahr hielten – bekommen sie keine Macht.

Die nächste Frage schützt uns vor negativen Bewertungen.

2. Ist dieser Gedanke wohlwollend?

Wenn du dir in kritischen Situationen mehr Zeit nimmst, um deine Gedanken wahrzunehmen und sie daraufhin überprüfst, ob sie es gut mit dir uns anderen meinen, hast du eine Wahl. Willst du dich negativen Gedanken unterwerfen? Oder ist dir dein innerer Frieden wichtiger, als das ständige Genörgel und Geplapper in deinem Geist?

Du kannst jeden Gedanken in jedem Augenblick anhalten!

Einfach nur durch eine bloße Entscheidung …

Kritischen Gedanken kommen und gehen. Sie sind Gewohnheiten. Wenn du dich immer wieder dafür entscheidest, sie loszulassen, tauchen sie irgendwann seltener auf. Oder sie dienen dir als innere Warnlampen, dass irgendetwas nicht richtig läuft. Ich habe bei mir beobachtet, dass kritische Gedanken sich besondern in Phasen häufen, in denen ich mir selbst wenig Aufmerksamkeit schenke. Bemerke ich sie, erinnern sie mich daran, mir wieder mit mehr Wohlwollen zu begegnen.

Betreibe ich in dieser Form Gedankenhygiene konsequent, bleiben sie irgendwann aus. An ihre Stelle treten wohlwollende Gedanken.

Das dritte Sieb schützt dich vor sinnlosem Geplapper – in deiner Kommunikation mit dir und anderen.

3. Ist dieser Gedanke wichtig?

Wenn es darum geht, Gedanken zu überprüfen, finde ich diese Frage sehr hilfreich. Erkennst du, dass ein Gedanke  nicht wichtig oder wesentlich ist, wirst du ihn wahrscheinlich verwerfen. Das hilft dir dabei, ihn loszulassen und dich auf Wichtigeres zu fokussieren.

Es würde ziemlich ruhig in der Welt, würden sich Menschen diese Frage häufiger stellen.

Nehmen wir an, du denkst einen bewertenden Gedanken über einen Menschen. Der Gedanke bezieht sich auf etwas, das längst vergangen ist. Er hat keine Bedeutung mehr für die Gegenwart. Denkst du den Gedanken weiter, ist es wahrscheinlich, dass sich unangenehme Gefühle in dir ausbreiten. Es hat eine direkte Auswirkung auf dein Wohlbefinden. Du holst die Vergangenheit in deine Gegenwart und verlängerst so deine unangenehme Erfahrung. Und werden Worte daraus, färbst du auch die Welt anderer Menschen damit ein.

Du hast in jedem Moment die Wahl!

„Will ich diesem Gedanken folgen oder lasse ich ihn los?“

Es macht Sinn, Gedanken achtsam wahrzunehmen. Du bemerkst, wenn es in die falsche Richtung läuft und kannst es frühzeitig steuern. Du bekommst Macht über diese inneren Prozesse. Nicht Kontrolle, aber Macht.

Es ist befreiend, zu wissen, dass du auf Gedanken Einfluss nehmen kannst.

Dieses Sieben führt langfristig zu neuen Erkenntnissen. Sie steigen auf und du spürst, dass sie sich sehr stimmig anfühlen. Erkenntnisse verraten dir eine tiefere Wahrheit. Anders als normale Gedanken wirken sie öffnend, inspirierend und fördern deinen inneren Frieden. Sie berühren dich und die Menschen, mit denen du sie teilst. Freude und Dankbarkeit stellen sich ein. Und manchmal Bedauern darüber, dass Du es nicht früher erkannt hast. Aber das ist auch wieder nur ein Gedanke. Erkenntnismomente sind kostbar, weil wir wirklich mit uns selbst verbunden sin.

Fazit:
Du hast einen Einfluss auf deine Gedanken! Wenn es dir gelingt, etwas mehr Abstand zu ihnen zu bekommen, bist du schon den halben Weg gegangen. Abstand bekommst du, indem du kurz innehältst und ohne Bewertung wahrnimmst, welche Gedanken da sind. So erkennst du leichter, dass ein Gedanke Nonsens ist oder dir nicht gut tut. Die 3 Siebe von Sokrates helfen dir dann bei der Überprüfung deiner Gedanken.

Es geht darum, eine Wahl zu treffen.

Dann hast du die die Macht – nicht deine Gedanken!

Ich bin immer interessiert an Wegen die funktionieren. Welche Tricks und Kniffe kennst Du in Bezug auf Gedanken?

Herzlichst

Claudia

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