Ideengarten Unternehmer Podcast

Margrit de Colle – Österreichs erste Bio Blumen Bäuerin

 

Interview mit Margrit de Colle

00:00:00
Claudia: Hallo und herzlich willkommen in einer neuen Episode. Das Ideengarten Unternehmer Podcast. Heute darf ich einen ganz besonderen Gast in diesem Podcast begrüßen.

00:00:16
Claudia: Sie ist nicht nur Ideengärtnerin, sondern darf auch den ganzen Tag berufsmäßig mit Pflanzen verbringen. Mein Gast heute ist Margrit de Colle. Mit „vom Hügel“ hat sie einen zauberhaften Ort geschaffen, an dem Bio Blumen Landwirtschaft zum Anfassen, Erleben, Mitmachen und Genießen angeboten wird. Sie ist Österreichs erste Bio Blumen Bäuerin. Ihre Idee war es, biologische Schnittblumen zu verkaufen. Und dafür hat sie mehr als einen Hektar Land aus konventionellem Maisanbau Schritt für Schritt in einen Bio Blumenacker verwandelt.

Sie ist Soziologin und Autorin des Fachbuch Bio Schnittblumen aus dem eigenen Garten. Dieses Buch werde ich natürlich verlinken. Und noch ganz wichtig es Sie ist Blumenpflückerin und das wollte sie schon als Kind werden. Herzlich willkommen, Margaret de Colle.

00:01:35
Margrit: Danke Claudia, für diese Einladung und die Möglichkeit, wir uns da austauschen.

00:01:40
Claudia: Ja, super, was du gemacht hast. Ja, wenn ich noch fast vergessen habe, warst du zu dir sagen möchtest. Dann hast du jetzt die Möglichkeit dazu. Wir werden natürlich auf alles noch ganz genau eingehen. Aber hab ich noch irgendwas vergessen, was wichtig ist?

00:01:59
Margrit: Für die Vorstellungsrunde reicht es sicher und ich freue mich, dass ein bisschen aus meinem Projekt quatschen darf.

00:02:07
Claudia: Das darfst du bestimmt. Du hast einen neuen Aspekt in die biologische Landwirtschaft gebracht, denn die meisten Biolandwirte konzentrieren sich nur auf Nahrungsmittel. Und du hast Blumen ausgewählt. Magst du uns ein bisschen dazu erzählen, wie es dazu kam?

00:02:26
Margrit: Ja. Wie lang hast du Zeit, Claudia. Das ist eine lange Geschichte.

00:02:30
Claudia: Wir schauen mal, ich hab nicht viele Fragen vorbereitet. Nur die, die wirklich wichtig sind für mich. Dann schauen wir, wohin wir uns bewegen. Ich werde mit Sicherheit viele Fragen haben, weil dein Thema so spannend ist.

00:02:48
Margrit: Du das bin ich tatsächlich oft gefragt worden, weißt du. Wieso Bio Blumen? Die kann man ja nicht essen. Wieso müssen Blumen auch Bio sein? Was hat das mit Nachhaltigkeit zu tun? Und ich glaub, da Blumen bei mir am Feld auch in der Erde wachsen, Sonne sehen und einfach wachsen dürfen, ist es eigentlich egal, ob man jetzt Erdäpfel, Kartoffel oder Tomaten oder Paradeis in Österreich kultiviert oder Blumen. Es passiert das Gleiche mit dem Grundwasser und mit der Luft, wie in der konventionellen Landwirtschaft. Und ich habe keinerlei landwirtschaftlich-gärtnerische Ausbildung gehabt, als ich das Projekt gestartet habe. Aber ich habe Blumen immer schon geliebt.

Und wie du in der Vorstellungsrunde schon gesagt hast, ich habe Soziologie studiert, komme wirklich aus vielen anderen Bereichen, aber eben nicht aus der Landwirtschaft. Mir war das eigentlich nicht klar, dass das keiner macht, bevor ich es gemacht habe. Um konkret zu werden: Im Schnittblumenbereich ist es leider so, dass in der Produktion und in der Kultur noch mehr chemische Stoffe im Umlauf sind, als bei Nahrungsmitteln. Teilweise werden die Rosen vor dem Flug noch in eine Fungizide getaucht, damit sie den Flug rauf nach Europa überleben. Und das ist einfach schlimm.

00:04:13
Margrit: Ich habe auch in unterschiedlichen Ausbildungsschritten und Erfahrungen erlebt, dass die Leuten wirklich die Freude an Blumen verlieren. Weil es gibt immer das gleiche Sortiment. Die Menschen, die dahinter stehen, werden schlecht behandelt. Die Umweltstandards sind einfach schrecklich. Und das alles wollte ich nicht. Und wenn man sich für etwas einsetzt, das man gerne hat, dann ist man automatisch – wenn es ein landwirtschaftliches Produkt ist – in der Bio-Landwirtschaft.

00:04:41
Claudia: Ja, und wie lange machst du das jetzt schon?

00:04:45
Margrit: Ich habe den Hof 2005 gekauft und gestempelt selbstständig bin ich seit 2007 – schon über 10 Jahre. Mir geht es darum, nicht nur Blumen zu verkaufen, sondern um die ganze Message dahinter. In Wirklichkeit ist es ein Bio-Blumen-, Bildungsprojekt, das Pflanzen, Menschen und Ideen miteinander verbindet. Und deswegen gefällt mir auch dein Podcast und deine Idee dahinter sehr gut.

00:05:14
Claudia: Es das verbindet uns nun genau dieser Wunsch, Menschen wieder mit der Natur zu verbinden. Genau da sind wir ganz nah an deinem Warum. Als Ideengärtnerin habe ich dich bezeichnet. Das sind Unternehmer, deren Saat aufgegangen ist. Sie machen die Welt zu einem besseren Ort. Du hast gesagt, du wolltest als Kind schon Blumenpflückerin werden. Was war das, diese Liebe zu den Blumen? Woher kam das alles? War das schon immer da?

00:06:02
Margrit: Daran kann ich mich erinnern das war immer schon da. Ich hab immer gerne Blumen gepflückt, habe sie dann nach Hause geschleppt. Ich habe auch immer schon gern gebastelt und gemacht. Und ich habe immer schon gerne geredet. Das sind die drei Kernkompetenzen, auf denen mein Unternehmen ruht? Aber es hat keine Blumenplückerschule gegeben. Deswegen hat es mehrere Schritte gebraucht für das, was ich heute mache.

Ich hab war dann auf einer Modeschule in Graz. Das war eine Schule, wo man sich mit Basteln und Gestaltung auseinandersetzen kann. Wo man ein Handwerk gelehrt hat. Und dann nach dem Abitur habe ich Soziologie studiert. Weil nur das Handwerk allein – ohne die Geschichte dahinter – das war dann auch zu wenig. Also die Geschichten, die die Leute so erzählen oder die ich erzähle. Und wie sich die Gesellschaft im Allgemeinen organisiert, das hat mir interessiert.

00:06:55
Claudia: Und wie verbindest du die Geschichten mit dem Basteln und den Blumen?

00:07:02
Margrit: Ja, das hat sich überhaupt nie verbunden. Und ich mir immer gedacht: „Oh je, wo wird das hinführen, alle fünf Jahre was Neues?“ Und inzwischen war aber jeder einzelne Schritt, jeder einzelne Monat, ganz essentiell wichtig für das, was ich heute tue. Und das können wir glaube ich den Menschen auch mitgeben, dass man irgendwie das Vertrauen aufbringt, auch wenn es jetzt noch nicht sichtbar ist, macht das die Individualität von einem Projekt aus. Auch wenn es vermeintlich unterschiedliche Erfahrungen sind im Laufe der Zeit. Die Geschichten sind halt so. Ich habe Soziologie mit Schwerpunkt Entwicklungspolitik und Wirtschaft studiert. Also diese Kommunikations- und Marketingthemen waren auch schon immer meins.

Ich war nie ein scheues Kindheit. Ich hab immer erzählt von meinen Projekten und von meinen Ideen. Und für mein Herz, für meine Beruhigung, habe ich weiterhin Blumen gepflückt und geschaut, welche Menschen sich mit Blumen umgeben. Wie die Blumenbranche ausschaut. Und die ersten, die ich entdeckt habe, waren die Ikebana-Damen. Kennst du Ikebana?

00:08:09
Claudia: Ja.

00:08:10
Margrit: Das ist die japanische Art der Blumengestaltung. Und dort steht im Lehrbuch auf Seite eins, dass du in jedem Arrangement, das du es machst, die Jahreszeit erkennen solltest. Dann ist es auch gelungen. Das ist ein wichtiger Aspekt. Damals in den 90er Jahren als Quereinsteigerin habe ich das ja nicht ernst genommen wird. Ist ja logisch, wenn man mit Blumen arbeitet, dass man die Jahreszeit erkennt. Aber das war alles andere als logisch, wie wir jetzt und heute wissen. Und das hat mich sicherlich geprägt. Und in der Kulinarik sind die Menschen einen Schritt voraus. Sie wissen schon, dass man zu Weihnachten nicht unbedingt Erdbeeren essen oder kaufen muss. Aber im Blumenbereich gibt es ein ganz großes Nachholbedürfnis.

00:08:54
Claudia: Das ein wesentlicher Punkt, dass wir die Dinge auch aus der Region bekommen. Das macht ja auch Nachhaltigkeit aus. Das ist wichtiger Aspekt, dass wir nicht im Januar oder im Dezember schon, kurz nach Weihnachten, die ersten Tulpen kriegen. Die sind dann so kraftlos. Welche Unterschiede gibt es denn zwischen diesen schlappen, kraftlosen Supermarktblumen und dem, was du anbaust? Gibt es da einen Unterschied?

00:09:35
Margrit: Es gibt tatsächlich sichtbar einen Unterschied, aber ich würde noch einen Schritt tiefer gehen. Ich glaube, es gibt einen emotionalen Unterschied. Und das ist jetzt die soziologische Geschichte. Wir umgeben uns mit Blumenschmuck noch immer zu allen unseren wichtigen Ritualen. Bei uns ist jede Taufe, jede Hochzeit, jedes Begräbnis mit Blumen begleitet, weil sie uns trösten, weil sie uns erfreuen, weil sie dich berühren. Ja, weil es ja auch Nahrung für die Seele sind. Jetzt hab ich aber erlebt, weil nach den Ikebana-Damen habe ich dann die Floristen entdeckt und habe mich in die Branche eingearbeitet und dort eine Ausbildung gemacht.

00:10:12
Margrit: Und wenn man im Großhandel steht, in einer Halle voller Blumen – dieser Industrieblumen – ist es so, dass du wenige Leute lächeln siehst. Und das hat mich wirklich erschrocken. Wie kannst du nicht lächeln, wenn du in einer Halle voller Blumen stehst? Und ich glaube, wenn man sich wirklich mit Blumen beschäftigt, oder egal mit welchem Thema. Wenn man dort leidenschaftlich drin ist. Und schon vom Samenkorn bis dann zum fertigen Stielchen der Blüte Liebe hineinsteckt. Dann kommt es im richtigen Moment raus und zwar wenn wir es am allermeisten brauchen. Wenn wir ein besonderes Fest haben. Wenn wir einen einen besonderen Moment haben. Dann kommt der Zauber, den man vorher in die Kultur hineingesteckt hat, raus.

Und davon abgesehen stehen meine Blumen – und das ist das Beste – bei jedem Wetter draußen im Acker. Sie haben natürlich stabilere Stiele. Durch die kalt nach warm Unterschiede haben sie schönere Blüten. Sie berühren mich mehr. Und ich bin halt auf der Suche nach Menschen, die dieses Konzept im Ganzen verstehen und spüren wenn sie meine Blumen ansehen?

00:11:20
Claudia: Also du hast gerade was ganz Wichtiges gesagt: „Liebe reinsteckt“. Ich hab das Motto „Ideen brauchen Liebe“ und genauso wie Kinder, wie Pflanzen. Und das passt sehr schön dazu. Du gibst auch Workshops zu diesem Thema unter dem Motto „biologisch kultivieren und inspirieren“. Was was ist das Wissen, das du an diese Workshop Teilnehmer weitergibst. Das finde ich noch ganz spannend. Ich hab’s schon. Ich war bei dir auf der Website und hätte darauf wirklich Stunden verbringen können, weil dieser Ort so schön ist. Ich verlinke auf jeden Fall die Webseite von Margrit in den Shownotes und ihr müsst euch diese Seite angucken. Das ist so ein zauberhafter Ort. Erzähl‘ mal, was vermittelst du in diesen Workshops? Und für wen sind sie?

00:12:23
Margrit: Die Workshops hätte ich damals gesucht, die ich jetzt anbiete. Da gab es auch nichts zu dem Zeitpunkt. Mir geht es einerseits darum, dass man handwerkliche Tipps und Tricks weitergibt. Wie komme ich zu einem Samenkorn? Wie komme ich zu einem fertigen Strauß? Aber es geht mir auch darum … Ich habe doch da einen Hof mit sechseinhalb Hektar. Davon sind circa eineinhalb bis zwei Hektar Schnittblumenkultur, Kräuter und der Rest ist Natur. Und mir geht es in den Workshops darum, dass die Teilnehmer auch lernen, dass aus der Natur ganz spannende Zutaten schon zur Verfügung stehen. Man muss sie nur erkennen. Man muss sie wertschätzen und dann muss man einen kreativen Weg finden, etwas Interessantes daraus zu gestalten.

Aus der Kultur die schönsten Schnittblumen wählen und daraus ein schöner Strauß machen. Da geht es dann wirklich um die Technik. Aber das fängt bereits am Feld an, wo ich Ihnen zeige, welchen Reifegrad die Schnittblumen haben. Wie Äpfel. Wenn man sie zu früh pflückt, ist es nichts. Und zu spät ist es auch nichts. Also ist es ist immer der gesamte Schritt, dort lasse ich die Teilnehmer mitmachen – also vom Samenkorn bis zum fertigen Strauß.

Es ist ein befriedigendes Erlebnis, wenn ich sehe, dass sie stolz ihre eigenen Werkstücke heimtragen. (Margrit de Colle, www.vomhuegel.at) Klick um zu Tweeten

Sie haben es wirklich selbstgemacht, vom Pflücken bis zum fertigen Strauß.

00:13:52
Claudia: Dann entsteht diese emotionale Verbindung, von der du eben gesprochen hast.

00:13:57
Margrit: Und jeder macht einen anderen Strauß, weil es einfach unterschiedliche Menschen sind.

00:14:02
Claudia: Ja, es ist wie bei einem Kunstwerk auch.

00:14:04
Margrit: Genau und das inspiriert mich und das ist wirklich eine schöne Arbeit.

00:14:10
Claudia: Also geht es dir tatsächlich … Ich sage mal, was dich zur Ideengärtnerin macht, ist, dass du diese emotionale Verbindung zur Natur wiederherstellen möchtest – also von den Menschen zu den Blumen. Du hast sechs Hektar Land?

00:14:31
Margrit: Ja, das sind rund 60000 Quadratmeter, ist lustig.

00:14:36
Claudia: Ja, und du bist jetzt zehn Jahre dran, oder? Und du hast heute auch noch Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch! Das habe ich eben erfahren. Gratulieren wir dir alle zusammen. Was mich noch interessieren würde, ist, wie machst du das? Also wie sieht dein Tag aus? Wann stehst du auf? Was machst du zuerst? Wie setzt du das alles um? Du hast gesagt, du hast das vom konventionellen Ackerbau zu einem biologischen Anbau umgebaut. Das braucht ja minimum drei Jahre, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Das kann man ja nicht alleine schaffen. Wie machst du das? Also was hast du dir da aufgebaut an Unternehmen, weil hier geht es ja auch ein Stück weit um Unternehmen.

00:15:42
Margrit: Gestartet habe ich wirklich ich mit mir allein und mein kniehohen Kindern um mich. Mittlerweile sind sie 15 und 17 und höher als ich. Aber es hat halt auch als ganz kleines Projekt gestartet. Also nachhaltiges Wachstum, so wie du das so schön sagst. Klein und fein hat das Projekt gestartet mit einem kleinen Blumenbeet aus dem ich geerntet habe. Ich habe meine eigenen Kränze gebunden und darüber erzählt, die ersten Workshops gegeben, bei einzelnen Ausstellungen mitgemacht. Ich hab dann ungefähr drei, vier Jahre später die erste Mitarbeiterin gehabt, die mir auf dem Feld geholfen hat. Die Mama hat fleißig geholfen und so ist es langsam angewachsen. 2017 erst habe ich dazu ein Gartencafe dazu aufgesperrt, weil ich gemerkt habe, dass auch diese kulinarische Komponente nicht ganz zu vernachlässigen.

00:16:31
Claudia: Total schön sieht das aus.

00:16:36
Margrit: Das habe ich aber auch mit drei Sesseln im Garten und einer Kaffeemaschine ausgesperrt – einfach so einmal in der Woche. Ich habe 15 Mitarbeiter in meinem Team. Ja, und mittlerweile machen wir 80 bis 100 Workshops, geben Führungen und haben von Mittwoch bis Samstag geöffnet. Aber um auf das Zyklische zurückzukommen, im Januar und Februar haben wir geschlossen. Wenn der Winter einkehrt und die Pflanzenwelt Ruhe gibt, dann geben wir auch Ruhe. Aber wir arbeiten das ganze Jahr hindurch mit den Zutaten, die wir da auf diesen sechseinhalb Hektar kultivieren oder sammeln.

00:17:18
Claudia: Finde ich auch wichtig, dass du das ansprichst mit diesen Zyklen. Das ist ja auch das, was ich versuche in die Wirtschaft reinzubringen. Dass diese Rückzüge und diese Zeiten, wo wir nach innen gehen können, unglaublich wichtig auch sind, damit wieder neues Wachstum entstehen kann. Was denn deine Erfahrung damit? Ich meine, du machst das. Aber spielt es auch eine Rolle in deinen Workshops, dass du auf die Wachstumszyklen genauer eingehst?

0:17:53
Margrit: Auf die Zyklen und die Glauber? Es tut nicht gut, wenn man nicht weiß ob Tag oder Nacht, Sommer oder Winter ist. Es ist ein anderes Tempo dahinter. Es sind andere Mechanismen dahinter. Und bei mir geht es vor allem darum, dass ich den Leuten zeige, das richtige Umfeld ist wichtig, wo man das Leben kann. Oder die Pflanze braucht das richtige Umfeld. Der Eine hat es ein bisschen schattiger, sonniger, feuchter, trockener gern. Und dann können wir wachsen. Dann sind wir resistent gegen Krankheiten. Dann kann man beerntet werden. Dann kommt man zur Blüte.

Sonst muss man das Umfeld wechseln. Und ich als Gärtnerin muss auch schauen. Wenn die Pflanze dort nicht funktioniert, muss ich mich mit dem Boden beschäftigen und weniger mit der Pflanze. Weil der Boden, der Start, die Verwurzelung, so wie du das so schön sagst. Das ist der Anfang von allem. Wenn das nicht passt, dann steht man nichts am richtigen Platz.

00:18:49
Claudia: Und das fängt ja … Ich meine das jetzt übertragen auf den Unternehmer. Das fängt ja unglaublich früh an im Leben. Je nachdem, wo wir verwurzelt oder auch nicht verwurzelt sind, kann sich das sehr prägend auswirken auf das Leben.

Was du eben auch gesagt hast zu dem Warum – zu der eigenen Mission – die ist ja von Anfang an in uns und unser ganzes Leben zahlt darauf ein. Und ich fand es unglaublich wichtig, als du gesagt hast, dass wir da wirklich ins Vertrauen reingehen sollten. Auch das befinden wir uns ja in einem natürlichen Entwicklungs- oder Entfaltungprozess. Alle Erfahrungen, die wir da machen in dem Bereich spielen eine ganz wesentliche Rolle. Man kann nicht am Gras ziehen, damit es schneller wächst. Und so ist das eben, die Dinge brauchen Zeit zum Reifen.

Und wenn du jetzt so deine deine Weisheiten für Unternehmer mal zusammenfassen könntest. Oder einfach mal erzählen könntest, was sind die Dinge, die du von der Natur als Unternehmerin gelernt hast? Das war jetzt schon mal eine, die Zyklen und der Boden der, der eine Rolle spielt, damit die Verwurzelung überhaupt stattfinden kann. Was fällt dir noch ein?

00:20:18
Margrit: Na ja, für mich sind immer Charaktere spannend, auch in der Pflanzenwelt. Es gibt unterschiedliche Charaktere. Und diese 08/15 geradestieligen Rosen in der Schachtel, die sie nicht spannend. Spannend sind die Typen, die Storys oder die die Biegungen oder die Schwingungen. Das sind die spannenden Sachen. Und das kann man vielleicht von der Pflanzenwelt lernen.

00:20:44
Claudia: Wie ich immer sage, die knorzige Eichel ist nur deshalb schön, weil sie so knorzig ist.

00:20:49
Margrit: Was mich bei der kreativen Arbeit – vielleicht kann man das auch auf die Unternehmerwelt übertragen – interessiert. Wie können wir aus vielen Bereichen Zutaten pflücken. Blumen, Kräuter, Zweige, Samenstände, vielleicht ein knorriger Ast.

Dieses Branchenübergreifende finde ich. Es würde kleinen Unternehmen gut tun, nicht immer nur in der eigenen Branche zu denken, sondern wirklich die eigene Story, die eigene Idee in den Vordergrund zu stellen. Und dann die Ideen, die noch kommen, durch diese Sieb oder dieses Raster durchzusieben – egal aus welcher Branche das dann kommt. Das hat mir viel geholfen.

00:21:38
Claudia: Das ist Innovation. Über den Tellerrand hinwegzuschauen, Dinge zu ergänzen oder Dinge zusammenzufügen, die vielleicht gar nicht zusammengehören auf den ersten Blick, aber zusammen eine ganz tolle neue Sinfonie ergeben. Und das ist ja bei einem Blumengesteck auch wie eine Sinfonie im Grunde. Also es ergibt etwas ganz Neues.

00:22:01
Margrit: Und da darf auch mal ein Gemüse drin sein im Blumenarrangements.

00:22:13
Claudia: Wenn man dich jetzt besuchen möchte, wo bist du in Österreich?

00:22:20
Margrit: Also ich bin in der Steiermark zuhause. Ursprünglich komme ich aus Kärnten. Das kennt man. Und jetzt bin ich aber schon seit 30 Jahren in der Steiermark. Und dort ist auch mein Hof in der Südost Steiermark. Das ist eine richtig schöne Gegend. Landschaftlich schön und vor allem ist es ganz spannend, weil es in meiner Region auch andere Querdenker mit spannenden Projekten gibt. Den Josef Zotter den kennt man vielleicht mit seiner Bio Schokolade.

00:22:47
Claudia: Spannend, ich glaube, ich muss mal kommen.

00:22:48
Margrit: Es war eine etwas armselige Gegend wo sich viele niederlassen konnten, weil die Grundpreise nicht so hoch waren. Und jetzt haben sich ganz viele spannende Projekte entwickelt. Willkommen in der Süd-Ost Steiermark.

00:23:11
Claudia: Reisen wird sich sicherlich in den nächsten Jahren alle allein schon durch Corona sehr verändern. Das wirft die Frage auf, wir in Zukunft reisen werden? Und was sind denn die Anlässe unserer Reisen? Also geht es nur darum, Stunden unter dem Sonnenschirm zu liegen oder an die Top-Reiseziele in den Bergen zu reisen? Oder geht es auch mal darum, sich solche Projekte anzugucken und einfach auch zu lernen darüber, was andere Menschen wie du in die Welt bringen? Und ich finde das extrem spannend. Das ist unglaublich inspirierend. Und ich kann nicht genug von solchen Geschichten hören. Und das bringt uns allen so viel mehr.

00:24:08
Margrit: Das glaube ich auch. Weißt du, wenn du diese Geschichten sammelst und deine Erfahrungen erzählst. Und wenn jeder in seinem leidenschaftlichen Bereich aufgeht und Unternehmen gründet, dann kann das einfach nur ein riesen Ruck weitermachen in der Gesellschaft, oder? Das ist dann wirklich schön. Und das bleibt dann nicht auf der Kopfebene, sondern erreicht auch Herz und Bauch? Dann haben wir viel geschafft. Zur Reise in die Steiermark: Bei mir gibt es auch 4-Tages-Workshops, wo du dann wirklich am Blumenfeld schlafen kannst und voll eintauchst und voll mitmachst im Projekt. Das ist dann nachhaltig eintauchen in die Bio Blumenwelt.

00:24:46
Claudia: Sehr spannend, ich glaube, ich muss mal kommen. Irgendwann tauche ich bei dir auf.

00:24:55
Margrit: So bin ich.

00:24:56
Claudia: Jetzt noch zu deinem Motto. Wenn du morgens aufsteht, was sagst du dir dann für den Tag?

00:25:06
Margrit: Ha, ha! Wild und pur und nachhaltig. Das sind so meine Lieblingswörter. Man muss schon wild und närrisch sein, dass man das jeden Tag so macht. Man muss mutig bleiben. Und Mut heißt ja nicht keine Angst haben, sondern trotzdem weitermachen. Und pur heißt einfach ungeschminkt – so wie es ist, so ist es.

00:25:36
Claudia: Das Wort kannte ich noch nicht, aber …

00:25:40
Margrit: „Pur“, sorry, es ist steirisch-kärntnerische Mischung. Authentisch. Lieber weniger, als mehr. Und lieber raues Holz, als glänzender Kunststoff. Da ist man in der Nachhaltigkeit. So versuche ich auch mein Leben zu leben. Ich versuche, weiterhin Blumen zu pflücken und mir nicht nur im Büro Strategien zu überlegen. Aber das teilt sich natürlich auf.

00:26:11
Claudia: Wie machst du das mit dem Strategien entwickeln? Weil du hast ja eben gesagt, du magst sehr gerne auch, oder hast in deinem Studium einen Bezug dazu entwickelt, Marketing zu machen? Also, dass du es auch ganz gerne machst. Sonst wäre ja auch dein Unternehmen nicht so erfolgreich geworden. Du hast einfach deine Begeisterung und Leidenschaft in dieses Projekt reingebracht und hast ganz vielen Leuten davon erzählt. Und das ist in der Tat das, was am besten funktioniert. Das ist immer wieder meine Erfahrung. Wenn man das, wie du es gesagt hast, auf eine so natürliche oder pure Weise tut.

00:26:52
Margrit: Ja, natürlich und ich habe keine Scheu. Es wäre jetzt schwieriger für mich, Marketing für Unternehmen zu machen, aber ich erlebe leider viel zu oft, dass total spannende Menschen einfach nicht über sich oder ihr Projekt erzählen. Also Verkauf ist wichtig, aber sie erzählen na nicht einmal davon. Da gibt es noch Nachholbedarf.

00:27:16
Claudia: Ja, die eigene Geschichte auch reinbringen. Das ist ganz wichtig. Drei Tipps haben wir glaube ich gesagt. Der erste Tipp war: mit den Zyklen leben.

00:27:32
Margrit: Mit den Zyklen leben, das richtige Umfeld schaffen für eine gute Verwurzelung und das branchenübergreifende Denken und die eigene Persönlichkeit. Nun haben wir schon vier Tipps.

00:27:49
Claudia: Ja, die eigene Persönlichkeit reinbringen. Margrit, gibt es noch irgendwas, was du sagen möchtest? Ich verlinke auf jeden Fall deine Webseite in den Shownotes. Und wenn du jetzt noch irgendetwas erzählen möchtest …

00:28:07
Margrit: Dieses Jahr hat mich gelehrt, dass es schön ist wirklich pur vor Ort einzutauchen. Aber jetzt ist es an der Zeit nach 10 Jahren in dieser Online-Welt noch mehr zu machen. Und das ist jetzt gerade der Step, wo ich mich befinde.

00:28:22
Margrit: Ein Online-Kurs und eigene Möglichkeiten, dass man sehr gerne vor Ort kommen kann und nach wie vor auch soll, um es wirklich zu spüren. Wenn die Inspiration über die Homepage so gut funktioniert hat, Claudia, erfreut mich das. Aber ich glaube, da gibt es noch mehr zu tun. Und so haben wir zwei uns auch getroffen.

00:28:45
Claudia: Ja stimmt, wir haben uns über Norman Müller, über den Chat, kennengelernt. Da hat sich jeder vorgestellt. Und ich habe mir gedacht, dass ich diese Frau auf jeden Fall in meinen Podcast einladen muss, weil das so passte. Ich war so berührt von deiner Geschichte.

00:29:09
Claudia: Wenn du sagst Online-Kurse. Das werden solche Kurse, wie du jetzt auch schon in den Workshops anbietest oder was wird das?

00:29:21
Margrit: Das wird ein bisschen Video, Audio, Text, Checklisten. Wie schneide ich was? Was kannst du in deinem Garten sammeln? Was ist vergleichbar? Was muss unbedingt an Bestandteilen da sein? Wie geht das? Wie kann ich das selbst anbauen? Und immer noch die spezifischen Themen geordnet. Da bin ich gerade dran.

00:29:41
Claudia: Man wird von dir hören. Hast du schon eine Seite, wo man sich diese Workshops angucken kann – die Online Workshops? Oder gibt es da noch nicht?

00:29:59
Margrit: Das wird jetzt im Winter was. Jetzt ist gerade noch die Saison, die wird jetzt ruhiger. Die Hauptsaison war bei mir wirklich der Sommer. Jetzt wird es ruhiger. Jetzt machen wir die Videos und all das. Und ab Januar, Februar wird es auf meiner Homepage dann zum Finden sein www.vomhuegel.at.

00:30:16
Claudia: Ja, du lebst das mit den Zyklen. Du hast gerade etwas ganz Wesentliches gesagt. Du nutzt die ruhige Zeit, um neue Dinge aufzubauen, um neue Dinge zu erarbeiten, um Strategien umzusetzen, um dich weiterzuentwickeln. Und das finde ich extrem wichtig, weil die Zeit eigentlich nicht dazu da ist, um ganz untätig zu sein. Es tun Bäume auch nicht. Da passiert auch ganz viel im Inneren. Du nutzt die Zeit für einen neuen Wachstumsschub. Das finde ich ganz, ganz wichtig. Weil du machst das, um weiter wachsen zu können – Wachstum geht nicht immer nur nach oben, sondern auch in die Breite. Da haben wir schon fünf Tipps.

00:31:18
Claudia: Ja, genau hier haben wir das zyklische Leben als Unternehmerin und überhaupt, das ist ja wirklich schön. Ich lebe das ja voll, weil ich ständig mit der Natur lebe. Aber so wie du sagst, es gibt ja ganz viele Tipps und Tricks, wie das jeder machen kann und auch Schwankungen und Ruhepausen geben muss. Weil sonst kann ja keine Innovationen entstehen, wenn es nur im Dauerlauf geht.

00:31:44
Claudia: So, wie die Welt das schon seit Jahren macht. Und worüber die ganzen Menschen alle kaputtgehen, weil die Menschlichkeit verloren geht. Das ist doch das, warum wir das machen? Wir wollen das doch verändern, oder nicht

00:32:04
Margrit: Wir sind schon zwei!

00:32:07
Claudia: Wir sind schon mehr, Gott sei Dank. Deswegen gibt es diesen Podcast auch, weil ich gesagt habe: Ich will das nicht nur in meinem kleinen Kreis machen. Ich möchte es jetzt größer machen. Und solche tollen Menschen wie dich, Margrit, hierhin einladen und anhören, was sie für wunderbare Projekte ins Leben gerufen haben. Ja, ich danke dir ganz herzlich, dass du, dass du hier warst und uns deine Geschichte erzählt hast. Liebe Hörer, liebe Hörerinnen, wenn ihr euch auch bezaubern lassen wollt, dann geht schauen auf der Seite von der Margrit und schaut euch diesen bezaubernden Ort an, den sie da geschaffen hat. Und wenn ihr mal verreisen wollt, dann besucht sie.

00:33:07
Claudia: Liebe Margret, ich sag bis bald mal, wir sehen uns bestimmt wieder. Schön, dass du hier warst.

00:33:15
Margrit: Vielen Dank! Alles Liebe, danke …

Interview Margrit de Colle - Vom Blumenmädchen zur Unternehmerin

Shownotes:

  • Du findest Margrit de Colle unter www.vomhuegel.at.
  • Ihr Buch „Bio-Schnittblumen aus dem eigenen Garten: Die besten Anbautipps und die schönsten Gestaltungsideen fürs ganze Jahr.“ kannst du hier bestellen.
  • Hier kannst du mit mir persönlich über dein nachhaltiges Wachstum sprechen: https://claudiaheipertz.de/pre-session
  • Vernetze dich mit mir auf Linkedin: https://www.linkedin.com/in/claudia-heipertz/
  • Hier findest du mich auf Instagram: https://www.instagram.com/claudiaheipertz.de/
  • Das ist der Weg zu meiner Gruppe „Ideengarten Marketing-Lounge“ auf Linkedin: https://www.linkedin.com/groups/8826975/
  • Du hast eine Frage oder Idee für diesen Podcast? Prima, dann kannst du sie mir hier mitteilen: https://forms.gle/13mYVDnnbocWinn78

Dir hat diese Episode gefallen? Dann abonniere den Ideengarten Unternehmer Podcast auf deinem bevorzugten Kanal – zum Beispiel über iTunes oder Spotify. Ich freue mich zudem über deine Bewertung. Damit hilfst du anderen, diesen Podcast besser zu finden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.