YouTube wird aktuell mit KI-Inhalten geflutet. Viele davon sind so gut gemacht, dass sie fast nicht mehr von menschlichen zu unterscheiden sind. Diese Videos werden in verschiedenen Sprachen komplett durch KI-Agents erstellt. Kein einziger Mensch ist daran beteiligt, außer der, der am Anfang den Auftrag gegeben hat. Die Frage, die ich mir in diesem Beitrag gestellt habe: Wie erkennen wir gut gemachte KI-Propaganda?

Ich habe mich über den Jahreswechsel bewusst auf diese Inhalte eingelassen, um besser zu verstehen, was sie mit uns machen.

In meinem Video erzähle ich ausführlicher, wie sich diese Erfahrung angefühlt hat und was dabei in mir passiert ist.


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Ein Experiment mit KI-Propaganda

Über die Feiertage habe ich aufgrund der Ereignisse rund um Gold und Silber auf YouTube nach tiefen gehenden Informationen gesucht. Nachdem ich einige Videos meiner geprüften Quellen angeschaut hatte, wurden mir verstärkt KI-Inhalte angezeigt.

Innerhalb von wenigen Tagen war YouTube voll davon. In meiner Timeline sah ich nur noch diesen „Asian Guy“ mit unendlich viele Kanälen in verschiedenen Sprachen. Meist war es ein asiatisch aussehender Avatar, manchmal aber auch jemand mit einem westlichen Aussehen oder eine bekannte Persönlichkeit. Aufgrund der ähnlichen Machart war mir klar, dass es sich immer um dieselbe Quelle handelte.

Hier kannst du dir selbst ein Bild machen.

Ganz am Anfang kommt ein Disclaimer als Haftungsausschluss, der als Freibrief dienen dürfte.

Die Inhalte vermittelten, dass es sich um einen Experten handelte. Er kannte sich aus mit historischen und aktuellen Ereignissen rund um Silber. Zudem erzählte er von Telefonaten mit Insidern der Branche, was ihn glaubwürdiger machte.

Natürlich habe ich einige Informationen überprüft. Das meiste stimmte.

Und dann habe ich bemerkt, wie es mich hineinzog, um mehr über diesen Markt zu erfahren.

Wie ich in den Sog geriet

Ich war von Anfang an skeptisch. Diese Kanäle hatten kein Impressum. Es war keine Webseite verlinkt. Durch die Gleichschaltung der Kanäle war ich jedoch misstrauisch. Dieses Vorgehen kannte ich bereits von anderen KI-Kanälen.

Weil ich verstehen wollte, welchen Einfluss solche künstlichen Inhalte auf uns haben, entschied ich, diese Erfahrung bewusst zuzulassen.

Die schleichende Gewöhnung

Bereits nach wenigen Tagen hatte ich mich so an die KI-Stimme gewöhnt, dass sie mir vertraut war. Ich bemerkte kaum noch, dass es sich um eine KI-Stimme handelte. Wäre ich nicht wach geblieben, hätte ich angefangen, ihr zu vertrauen.

Nicht nur mir ging es so, sondern vielen anderen auch. Der „Asian Guy“ wurde auf X während dieser Tage heiß diskutiert. Viele glaubten an einen Rebellen, der die Leute warnen wollte. Andere erkannten die wahre Absicht dahinter.

Ich war inzwischen so genervt von der Schlagzahl, dass ich die meisten Vorschläge dieser Kanäle wegklickte – sonst hätte ich Stunden auf YouTube verbracht. Es tauchten immer neue Kanäle auf.

Hast du schon mal versucht ein Wespennest zu entfernen, aber die Tiere sind hartnäckig und trotzen sogar dem schärfsten Mittel? Dann weißt du, wie ich mich ungefähr gefühlt habe. Ich wollte ja nicht ständig irgendwelche Kanäle wegklicken, sondern suchte hilfreiche Informationen, um den Markt besser einschätzen zu können.

Irgendwann bemerkte ich, dass meine Stimmung kippte. Ich fühlte mich überreizt, etwas frustriert und eine leichte Form von Ängstlichkeit. Mein Körper war angespannter, als das normalerweise der Fall war. Mein Puls ging schneller. Und mein Cortisolspiegel erhöhte sich spürbar. Das erkannt ich an meinem Süßhunger und daran, dass ich nachts häufiger erwachte.

Ab diesem Zeitpunkt beendete ich mein Experiment und folgte ich wieder ausschließlich menschlichen Quellen. Meine Stimmung begann sich zu normalisieren. Aber auf körperlicher Ebene fand ich erst zu meiner gewohnten Ruhe zurück, als ich für ein paar Tage gar keine Medien mehr konsumierte.

90 Prozent Wahrheit, 10 Prozent nachweislich falsch

Mir war von Anfang an klar, dass diese KI-Inhalte einen bestimmten Zweck erfüllen. Niemand erstellt täglich so viele Videos, ohne daraus einen Nutzen zu ziehen. Da YouTube den meisten KI-Kanälen die Monetarisierung entzieht, konnten Werbeeinnahmen nicht die Absicht gewesen sein.

Was mich während meines Experiments wach und bewusst hielt, war genau diese Fragen nach dem wahren Zweck.

Diese drei Szenarien konnte ich mir vorstellen:

  1. Stattliche Propaganda oder finanzpolitische Marktmanipulation – bei den Marktbewegungen war beides möglich, vielleicht sogar kombiniert.
  2. Edle Motive, die Bevölkerung über Hintergründe aufzuklären – das könnte bei bewusstseinsorientierten Kanälen passen, aber auch da wäre ich inzwischen vorsichtig.
  1. Ein durchdachter Launch, dem irgendwann ein Angebot folgt – das wäre ein durchaus übliches Vorgehen.

Nummer zwei schied aufgrund der Schlagzahl der Informationen und der „aggressiven“ Verteilung sofort aus. Nummer drei schied als Nächstes aus, weil im Video zwar irgendwann auf einen Newsletter hingewiesen wurde, dieser aber nie verlinkt war.

Also war klar: Es handelt sich wahrscheinlich um irgendeine Form von Manipulation.

Warum Fake-KI so gefährlich ist

Nachdem ich einige Fakten überprüft hatte, schätzte ich den Wahrheitsgehalt der Videos auf etwa 90 Prozent ein. Dabei waren sie ausgesprochen wertvoll für jemanden, der diesen Markt noch nicht versteht und nach einer Investitionschance sucht. Die Frequenz der Inhalte gab mir das Gefühl, gut informiert zu sein. Doch ich spürte auch, dass etwas an der ganzen Sache faul war. Besondern die Insidergeschichten haben mich skeptisch gemacht.

Fakt war: Die restlichen 10 Prozent der Informationen waren nachweislich falsch.

Das führte bei mir zu einer wachsenden Verwirrung – also genau das Gegenteil meines eigentlichen Ziels. Ich fand nicht mehr, sondern weniger Orientierung in dem Thema.

Meine wichtigste Erkenntnis

Bleiben wir im Umgang mit solchen KI-Kanälen nicht wach, können diese unsere Investitions- und Kaufentscheidungen, unser Beziehungs- und sogar Wahlverhalten beeinflussen.

Für mich ist im Umgang mit KI wichtig, jederzeit in meiner Entscheidung frei zu bleiben und mich nicht manipulieren zu lassen. Das wäre mit diesen Inhalten jedoch nicht möglich gewesen. Sie haben auf sehr hohem Niveau manipuliert. Dieses Wissen haben nicht viele Menschen. Es war strategisch geplant und auf ein bestimmtes Ziel hin ausgerichtet: Die Bewegungen des Silberpreises zu beeinflussen, damit große Player freie Bahn haben.

Bewusster Umgang mit KI-Kanälen – meine Learnings

Ich beobachte, dass mich KI seit einiger Zeit insgesamt weniger interessiert. Anfangs habe ich viel damit gearbeitet. Inzwischen nutze ich sie nur noch für Übersetzungen, Zusammenfassungen komplexer Inhalte, zum Strukturieren oder als Sparringspartner, wenn ich Themen umfassend betrachten möchte. Manchmal passe ich ein Foto an und nutze sie, um Videoclips aus längeren Videos zu machen. Ich weiß, dass viel mehr möglich wäre, aber das interessiert mich nicht wirklich.

Auch wenn manche Kanäle eine gute Absicht verfolgen …

Weil die gesuchte Klarheit nie eintritt, kann der regelmäßige Konsum zu suchtartigem Verhalten führen – und somit unseren durch Social Media sowieso hoch gepushten Cortisolspiegel noch mehr anheizen. Unsere Aufmerksamkeitsspanne und unsere Konzentrationsvermögen gehen dadurch wahrscheinlich noch weiter zurück.

Beispiel für einen Kanal, der scheinbar eine gute Absicht verfolgt

Erkennbar durch den Disclaimer: Haftungsausschluss: Dieser Kanal ist ein Fanprojekt und steht in keiner Verbindung zu Kevin O’Leary oder anderen mit ihm verbundenen Personen oder Organisationen. Alle Inhalte basieren auf seinen öffentlich zugänglichen Interviews, Reden und Kommentaren und dienen ausschließlich Bildungs- und Informationszwecken. Wir verwenden gesprochene Kommentare und visuelle Elemente, um Ideen anschaulich zu erklären und das Lernen interessant zu gestalten. Unser Ziel ist es, seine Perspektiven respektvoll, korrekt und im Kontext darzustellen, ohne irreführend zu sein, uns als ihn auszugeben oder eine persönliche Beteiligung vorzutäuschen.

KI-Manipulation: Was mir hilft, wach zu bleiben

Ich praktiziere sein Ende der 1990er regelmäßig verschiedene Achtsamkeitspraktiken. Das hat mir wahrscheinlich geholfen, trotz der schnellen und komplexen Veränderungen in unserer Welt weiter zentriert zu bleiben.

Was mir hilft, wach zu bleiben, ist vor allem Stille – in der Natur, in der Meditation, beim Streicheln eines Tieres oder durch achtsame Körperarbeit. Ich gönne mir phasenweise bewussten Medienverzicht, um wieder klarer zu werden. Wenn ich mich auf Erfahrungen einlasse, reflektiere ich sie anschließend, schreibe meine Erkenntnisse auf und integriere sie Schritt für Schritt in meinen Alltag. Und ich habe für mich entschieden, konsequent nur noch menschlichen Quellen zu folgen, die eindeutig zu identifizieren sind.

11 Merkmale, an denen ich menschliche Inhalte erkenne:

  1. Impressum ist vorhanden oder Angabe einer Webseite (eine vernünftige Webseite, nicht nur irgendeine Landingpage).
  2. Die Person ist bekannt oder identifizierbar.
  3. Natürliche Sprechweise – echte Menschen machen Pausen, verhaspeln sich manchmal und haben einen individuellen Sprechrhythmus.
  4. Individuelle Perspektive – Menschen sprechen aus ihrer persönlichen Erfahrung, KI-Inhalte wirken oft wie zusammengetragenes Wissen ohne persönliche Färbung.
  5. Kanalhistorie – ein gewachsener Kanal mit Entwicklung über Zeit vs. plötzlich auftauchende Kanäle mit vielen Videos zur gleichen Zeit.
  6. Widersprüche und Unsicherheiten – Menschen geben zu, wenn sie etwas nicht wissen oder sich nicht sicher sind.
  7. Interaktion mit der Community – die Kanalinhaber geben echte Antworten auf Kommentare, keine generischen Phrasen.
  8. Authentische Emotionen – bei Menschen sind echte Begeisterung, Ärger, Unsicherheit spürbar.
  9. Verbindung entsteht – bei menschlichen Inhalten entsteht das Gefühl, jemanden kennenzulernen.
  10. Keine manipulative Dringlichkeit – KI-Inhalte erzeugen oft künstlichen Zeitdruck oder übertriebene Wichtigkeit
  11. Natürliche Bewegungen – Bei KI-Avataren sind die Bewegungen monoton, unnatürlich und wiederholen bestimmte Bewegungsmuster

Vorsicht: Persönliche Geschichten können heute von KI generiert werden und sind kein verlässliches Erkennungsmerkmal mehr? Wenn du spürst, dass dein Herzschlag schneller wird, du die Luft anhältst oder sich deine Stimmung verändert, wirst du wahrscheinlich manipuliert.

Meine Wahl nach diesem Experiment: Echte Menschen

Ich bin überzeugt davon, dass KI in Zukunft eine wesentliche Rolle spielen wird. Aktuell sehe ich uns in einer Phase der Orientierung damit. Hier ist es wichtig, dass wir uns unserer Werte und Wünsche sehr bewusst sind.

Die Ginny ist aus der Flasche. Nur durch Bewusstsein können wir vermeiden, dass sie uns unserer geistigen Freiheit beraubt.

Mein Fazit: Ich bevorzuge menschliche Inhalte.

Ich halte KI nicht grundsätzlich für schlecht. Es ist vielmehr so, dass mich diese technisch erzeugten Inhalte emotional nicht wirklich berühren. Auch wenn sie diese Absicht verfolgen, tun sie es nicht nachhaltig.

Ich glaube, YouTube tut sich keinen Gefallen damit, so viele KI-Inhalte zuzulassen. Der Kanal verliert dadurch seinen Reiz, wie zuvor auch schon Social Media.

Fact ist: Die meisten wissen, dass sie manipuliert werden, aber nicht, wie sie sich dem dauerhaft entziehen.

Meine Idee dazu ist, ein klarer Fokus nach innen und auf echte Verbindungen. Denn bei der schnellen Entwicklung wird der bewusste Umgang mit KI den Unterschied machen.

Herzlichst

Claudia

Update vom 04.02.2026: Es hat sich herausgestellt, dass es sich bei den vielen „Asian Guy“-Kanälen um Kopien des Kanals Your John AG handelt. In diesem Video klärt John auf, was es mit den „Drama Kanälen“ auf sich hat. Leider ist auch dies nur ein Avatar, so dass ein Restzweifel bleibt. Inhaltlich unterscheiden sich die Informationen dieses Kanals jedoch von denen der anderen Kanäle. Denn hier hinter scheint sich echte Analystenarbeit zu verbergen. Die unechten Kanäle – und das sind inzwischen unzählbar viele -, sind hauptsächlich an ihren dramatischen Thumbnails und den niedrigen Followerzahlen zu erkennen. Die Informationen widersprechen sich und sind nachvollziehbar unwahr. John hat darüber hinaus einen Membership-Bereich, den die anderen Kanäle nicht haben. Die Fake-Kanäle verlinken inzwischen auf eine Landingpage, auf der man Analysen für unter 30 Euro bekommen kann. Ich persönlich würde sie nicht kaufen. Es handelt sich hierbei offensichtlich um einen Identitätsdiebstahl (Stand heute). Wenn sich neue Erkenntnisse zeigen, werde ich hier darüber informieren.

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