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Aus der Praxis: Kompetenz spüren und innere Stärke aufbauen

Kompetenz spüren und innere Stärke aufbauen

Als Katrin zum ersten Mal zu mir kommt, ist sie völlig aufgelöst. Eine einzige Frage reicht, um die Tränen zum Fließen zu bringen. Da hatte sich ganz schön etwas angestaut.

Katrin ist eine junge Frau in den Dreißigern, sympathisch, attraktiv, mit einer freundlichen Ausstrahlung. Man sieht ihr an, dass sie schon viel geleistet und erreicht hat. Sie hat Wirkung. Ich erkenne sofort die engagierte Mitarbeiterin in ihr und würde sie sofort einstellen.

Das Problem mit dem sie zu mir kommt, steht im Widerspruch zu ihrer offensichtlichen Professionalität. Katrin spürt ihre Kompetenz nicht mehr. Sie fühlt sich häufig überfordert und kann sich nicht mehr gegen all die Aufgaben abgrenzen, die täglich auf ihrem Schreibtisch landen. Sie ist als Personalreferentin bei einem Pharmaunternehmen tätig. Seit Kurzem leitet sie ein Team mit fünf Mitarbeitern.

Karriere und was noch?

Normalerweise macht ihr ihre Arbeit Freude. Sie liebt es, mit interessanten Menschen zusammen zu kommen. In der letzten Zeit hat sie jedoch einen nagenden Zweifel bemerkt. Sie fühlt sich häufig beengt und fremdbestimmt. Sogar ihre Kreativität und ihre Empathie versagen ihr den Dienst. Manchmal würde sie am liebsten alles hinschmeißen oder zumindest eine längere Auszeit nehmen. Abends fehlt es ihr an der Energie, noch etwas Schönes zu unternehmen. Wenn sie ganz ehrlich ist, ist sie die meiste Zeit damit beschäftigt, ihre Akkus wieder aufzuladen, um den beruflichen Anforderungen gerecht zu werden.

Dabei hatte sie sich das alles so toll vorgestellt. Studium, der erste Job und dann recht bald die erste Beförderung. Daneben ihre Partnerschaft mit Tim. Seit dem Studium sind sie ein Paar. Eigentlich ist alles nach Plan gelaufen. Warum nur kann sie sich darüber nicht mehr freuen? Was fehlt? Was läuft nicht richtig?

Der eigenen Wahrheit auf die Spur kommen

In der ersten Sitzung höre ich nur zu und lade Katrin ein, ihre Geschichte zu erzählen. All die zurückgehaltenen Gefühle der letzten Monate wollen nun heraus. Auch wenn ihr das ein bisschen peinlich ist, bestärke ich sie darin, sich zu befreien. Durch die Tränen beruhigt sie sich spürbar. Ihr ganzer Körper entspannt sich langsam.

Sie erzählt mir von ihrem Wunsch, endlich konsequenter zu sein und sich besser abgrenzen zu können. Ich bin überrascht, das von dieser starken Frau zu hören. Sie hätte schon immer Probleme damit gehabt und ganz tief in ihr gäbe es einen Zweifel, ob sie okay ist, wenn sie ihrem Ärger auch mal Luft macht. Ihre Ehrlichkeit berührt mich.

Nun möchte sie lernen, konsequenter Nein oder auch Ja zu sagen. Beides fällt ihr schwer. Sie möchte ihre Kompetenzen wieder mehr spüren und sich in ihrer Führungsrolle sicherer fühlen. Für Zuhause bekommt sie eine Übung, die ihr hilft, ihre Ist-Situation zunächst einmal anzunehmen, wie sie ist. Diese Übung hilft ihr auch dabei, ihren emotionalen Aufruhr zu beruhigen. Ich bitte sie zusätzlich, eine Bestandsaufnahme zu machen. Die Fragen „Was soll bleiben, wie es ist? Was soll anders werden?“

Identität klären – Wer bin ich, wenn ich nicht leiste?

In der nächsten Sitzung geht es um Herzenswünsche. Sie stellt erschrocken fest, dass sie keine Ahnung hat, was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Bisher hatte sie sich völlig auf ihre Karriere konzentriert. Sogar ihre Beziehung zu Tim spielte eine untergeordnete Rolle in ihrem Leben. Ich frage sie, wie sie sich mehr für das öffnen kann, was sie glücklich macht. Sie kann es nicht fühlen. Diese Option hatte es bisher in ihrem Leben nicht gegeben.

Bisher war sie nur auf Leistung ausgerichtet. 

Das Gefühl, keine richtige Identität zu haben, kann sehr verunsichern und ist auf jeden Fall zuerst zu bearbeiten. Die Identität ist unser Zentrum. Von hier aus gehen wir nach außen. Sie gibt uns innerlich Kraft und Sicherheit und nach außen Stärke und Souveränität. Deshalb schauen wir uns in den nächsten Sitzungen ihre Fähigkeiten, Werte und Charaktereigenschaften an.

All dem hat sie bisher noch nie Aufmerksamkeit geschenkt. Sie bekommt Übungen von mir, mit denen sie sich hier bewusster wird. Mir geht es vor allem darum, dass sie ihre Stärke und Kompetenz besser wahrnimmt.

Grenzen kann nur setzen, wer sie wahrnimmt.

An einem Tag kommt sie herein und erzählt mir völlig aufgelöst von einem Streit mit ihrem Vorgesetzten. Das wäre noch nie passiert. Am Vorabend kam er kurz vor Feierabend mit einem neuen Projekt, dass sie bis zum nächsten Tag vorbereitet haben sollte. Sie hat ihm freundlich und mit ein bisschen Herzrasen gesagt, dass sie gerne am nächsten Morgen damit anfinge. An diesem Abend könne sie jedoch nicht, da sie mit ihrem Partner ihren Jahrestag feiere. Der Chef war zuerst sprachlos. Ein Nein hatte er noch nie von ihr gehört. Aber diesmal brachte auch sein Lob und alles Bitten nichts. Sie blieb klar bei ihrem Nein.

Den Abend mit Tim konnte sie noch nicht richtig genießen. Ihr schlechtes Gewissen und ein leiser Zweifel quälten sie. Sie ist sich nicht sicher, ob ihr Chef sie trotz ihrer Absage auch weiterhin schätzt. Ich mache sie auf ihr neues Verhalten aufmerksam und lade sie ein, diesen Fortschritt zunächst einmal zu würdigen.

Dann sehen wir uns das Erlebnis mit ihrem Chef etwas genauer an. Wir arbeiteten ihre Position noch klarer heraus. Dabei geht es vor allem darum, welche Werte ihr in ihren beruflichen Beziehungen wichtig sind. Sie bekommt eine Übung, die ihr hilft, unangenehme Gefühle leichter zu steuern.

Stärke entsteht, wenn du es trotz Angst machst.

Sie hat die Übung zunächst mehrmals mit dem schlechten Gewissen gemacht. Das hat dazu geführt, dass sie nun weniger Angst vor diesen Gefühlen hat. Die Furcht davor war unbegründet. Es ist nichts Schlimmes geschehen während der Übung, außer dass es unangenehm war. Diese Bereitschaft, sich auch auf Unangenehmes einzulassen, führt zu einem wichtigen Entwicklungsschritt. Weil sie nun weiß, wie sie sich sicher durch ein unangenehmes Gefühl hindurch begleitet, hat sie mehr Vertrauen gegenüber sich selbst. Durch diese Konfrontation mit einem unangenehmen Gefühl erfährt sie nun auf einer tiefen Ebene:

„Ich kann jedes Gefühl meistern!“

Diese Erkenntnis wirkt auf den ersten Blick so unscheinbar, aber sie macht auf eine bestimmte Weise frei.

Wer nicht mehr vor schwierigen Gefühlen zurückschreckt, ist bereit mehr zu wagen! Klick um zu Tweeten

Er ist auch weniger manipulierbar.

Dieser Mut bezogen auf sich selbst führt dazu, dass sie mit sich selbst empathischer und nach außen konsequenter ist. Sie hat also nicht nur ein neues Verhalten geübt, sondern es durch eine neue Erfahrung integriert.

Kompetenz spüren und innere Stärke aufbauen

Ich frage sie, wer sie nun ist in Bezug auf die Person, die sie werden will. Sie strahlt mich an:

„Ja, genau, das fühlt sich genauso an, wie ich es mir gewünscht habe. Ich fühle mich innerlich aufgerichtet und entspannt. Ja, richtig sicher. Da ist gar keine Angst mehr vor dem schlechten Gewissen.“

Ich weiß, dass es stimmt, was sie sagt. Denn im Raum ist eine wunderbare Stille. Sogar die Fliegen haben sich unter der Decke niedergelassen, so friedlich ist die Energie im Raum. Der wichtigste Schritt ist getan. Katrin hat ihre Angst vor dem schlechten Gewissen überwunden. Sie wird es noch viele Male üben können, bis das Gefühl seltener wird. Es wird sie nicht mehr handlungsunfähig machen. Sie weiß nun, dass es einen Weg gibt, sich selbst in unangenehmen Situationen zu steuern. Sie hat gelernt, mit diesem intensiven Gefühlen umzugehen. Mit jedem Mal üben gewinnt sie mehr Sicherheit.

Die nächste Übung hilft ihr, körperliche und emotionale Grenzen besser wahrzunehmen und ihre Position dazu zu finden.

Entspannt in Richtung Freude

Beim nächsten Mal erzählt sie mir, dass sie erst jetzt die vielen Male erkennen kann, in denen sie gegen ihre wahren Bedürfnisse gehandelt hat. Sie spürt Bedauern – ein angemessenes und wichtiges Gefühl an diesem Punkt.

Seit Kurzem erzählt mir Katrin häufiger von einem Traum. Sie denkt darüber nach, noch einmal etwas Neues anzufangen. Diesmal möchte sie ihren Fokus auf die Freude legen. Sie strahlt mich an. Ich liebe diese Momente!

Ich darf Katrin auf diesem Weg noch eine Zeit lang begleiten und freue mich schon darauf! Katrin hat mir erlaubt, ihre Geschichte zu erzählen. Ich habe ihren Namen und einige Details verändert, damit keine Rückschlüsse auf die reale Person gezogen werden können.

Die hier beschriebenen Herausforderungen sind ein häufig Schwerpunkt meiner Coachings. Die meisten meiner Klienten sind empathisch, engagiert und leistungsbereit. Sie sind es leid zu kämpfen, wissen aber nicht wie sie damit aufhören können. Es gibt meist ein Bild in ihnen, wie leicht das alles mit mehr Stärke, Souveränität und der Fähigkeit zur Abgrenzung gehen könnte. Deshalb haben sie bisher alles versucht, um diese Stärke und Souveränität zu erreichen, meist mit mäßigem Erfolg.

Der Schlüssel hierzu liegt im eigenen Gefühlsmanagement und in einer klaren inneren Positionierung. Es geht also zunächst einmal darum, die weniger starken und souveränen Bereiche der eigenen Persönlichkeit zu integrieren. Wer das gemeistert hat, weiß besser, wer er ist und was da noch in ihm steckt. Je stärker dieses Vertrauen und die Annahme der verletzlichen Anteile wird, desto souveräner wird ein Mensch nach außen.

Fazit:

Menschen in der Führung glauben häufig, sie müssten noch stärker sein und sich noch mehr anstrengen, um souverän und kompetent zu wirken. Die verletzlichen Bereiche glauben sie sich nicht leisten zu können. Deshalb werden diese Bereiche nicht vollständig bejaht. Das Paradoxon ist, dass nur diese Bejahung sie in den Genuss wahrer Souveränität und Führungsstärke bringt.

Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?

Herzlichst

Claudia

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