Ideengarten Unternehmer Podcast

Mit diesen 6 Schritten kreative Prozesse in deinem Unternehmen anstoßen

In dieser Episode erfährst du, wie du kreative Prozesse anstoßen und Geistesblitze für dein Marketing planen kannst. Dabei geht es mir nicht vorrangig um mehr Ideen. Vielmehr sollen deine Ideen insgesamt mehr Substanz – also kräftige Wurzeln – entwickeln.

Wie kommst du auf neue Ideen für dein Marketing?

Diese Frage habe ich kürzlich auf Linkedin gestellt. Die Optionen waren:

  1. in normalen Alltagssituationen
  2. durch Bewegung und Entspannung
  3. durch Konzentration auf die Lösung

Knapp 70 Prozent stimmten für Option 2, etwas unter 30 Prozent für Option 1. Zwei Teilnehmer wählten die 3. Option. Zwei Kommentatorinnen gaben an, ein System für die Ideenfindung zu nutzen. An diesem interessanten Ergebnis wird deutlich, dass die meisten wissen, wie sie an neue Ideen kommen. Viel interessanter ist für sie, wie sie all die Ideen für das eigene Business sinnvoll nutzen können. Denn vielen Unternehmern fehlen eher die ordnenden, Substanz gebenden Elemente, mit denen Ideen wirksam umgesetzt werden können.

Am besten funktioniert das mit wenig Druck. Phasen der Ruhe, des Schlafes, des Austausches mit anderen Menschen und des Ordnens wechseln sich darin ab. Dieser Wechsel zwischen kreativen, ordnenden und ruhenden Elementen aktiviert verschiedene Gehirnregionen für die Lösungsfindung. Es entsteht ein natürliches Hin- und Herfließen zwischen verschiedenen Perspektiven. Der Fokus und die Art des Denkens wechseln während der Lösungsfindung mehrmals von kreativen zu logisch-rationalen Denkprozessen. Das löst vorhandene Kreativitätsbremsen auf entspannte Weise auf.

Divergentes und konvergentes Denken

Joy P. Guilford hat in den 1960ern die Unterscheidung zwischen konvergentem und divergentem Denken geprägt und damit den entscheidenden Impuls für die Kreativitätsforschung gegeben. Seitdem stieg die Kreativität exponentiell an.

Konvergentes Denken

Beim konvergenten Denken handelt es sich um rational-logische Denkvorgänge, die zu einer Lösung führen sollen. Hier wird von einer Ursache ausgehend auf eine klare Lösung geschlossen. Dieser Denkprozess greift vor allem auf vorhandenes Wissen zurück. Im Kreativprozess findet konvergentes Denken meist zum Ende oder zur Auswertung zwischendurch statt. Dann geht es meist darum, bestimmte Anteile auszuwählen, auszusortieren, zu bewerten, zu analysieren und daraus eine Schlussfolgerung herzuleiten. Dieses Sichten und Sieben verdichtet die Ideenfülle hin zur Lösung.

Du trainierst konvergentes Denken durch Konzentration auf eine bestimmte Sache oder Lösung. Voraussetzung hierfür ist eine gute Konzentration. Wenn du deine Konzentration verbessern möchtest, dann empfehle ich dir eine Meditation, bei der du dich auf ein Objekt fokussiert, z.B. den Atem oder den Körper.

Divergentes Denken

Divergentes Denken wird auch manchmal laterales Denken genannt. Der Begriff „divergent“ kommt von dem Guilford. Den Begriff „laterales Denken“ hat Edward de Bono geprägt.

Divergent ist dein Denken, wenn du offen, unsystematisch und experimentierfreudig an ein Thema, eine Fragestellung oder ein Problem herangehst. Deine Konzentration liegt nicht auf einer Lösung. Sondern du öffnest dich für unendliche Möglichkeiten. Der Fokus liegt mehr auf Alltagstätigkeiten, einer Bewegung oder du befindest dich in Entspannung. Während dieser Tätigkeiten sind anderen Gehirnregionen aktiv, die nicht unmittelbar an der Lösungsfindung beteiligt sind. Und doch kommen uns beim Spazierengehen oder Autofahren häufig die besten Ideen. Bei mir ist Schlaf der Schlüssel. Wenn mein Gehirn noch in Alphabereich unterwegs ist, habe ich die besten Ideen. Diese sind mir meist auch näher, als irgendwelche Kopfgeburten.

Der divergente Fokus oder das divergente Denken werden meist begleitet durch Experimentier- und Spielfreude. Die Neugierde ist das treibende Element. Es wird keine bestimmte erwartet, sondern du öffnest dich für viele Möglichkeiten. In diesem Modus lässt du die Kausalitätsgläubigkeit vollkommen los. Du verlässt das Terrain von dem, was du immer geglaubt hast und betrittst bisher unerforschtes Neuland.

Du trainierst divergentes Denken, indem du häufig einen offenen Fokus einnimmst. Hierfür empfehle ich eine Meditation mit offenem Gewahrsein. Hier lenkst du deine Aufmerksamkeit nicht auf ein bestimmtes Objekt, sondern auf alles, was jetzt ist. Auf das, was als nächstes aufkommt. Du bist einfach wahrnehmend von Moment zu Moment, mit allen Möglichkeiten im Raum, mit allem, was kommen will. Diese Meditation kannst du überall machen. Sie braucht ein bisschen Übung

Diese Tätigkeiten stimulieren neue Ideen.

Hier findest du meine Hitliste, um auf neue Ideen zu kommen.

  • einen Kuchen backen
  • Spazierengehen, besonders im Wald
  • Assoziatives Schreiben
  • Die Schrittrichtung wechseln – vorwärts, rückwärts, seitwärts, Schlangenlinien
  • auf einem umgefallenen Baum balanciere
  • In der Natur sitzen und die Umgebung wahrnehmen
    Ein komplexes Musikstück hören
  • durch schöne Landschaften fahren
  • mit Lego spielen
  • Haushaltstätigkeiten, wie bügeln, putzen, spülen
  • Schlafen

In 6 Schritten zu Ideen mit Substanz

Diesen Prozess habe ich ausgetestet, bis er gut zu mir und meiner Arbeitsweise passte. Meine derzeitige Positionierung und mein Portfolio sind auf diese Weise entstanden. Damit dein Prozess ebenso gut zu dir und deiner Art passt, solltest ein bisschen damit herumspielen. Es nützt meiner Meinung nach nichts, wenn du meinen Prozess 1:1 übernimmst. Der Ablauf sollte so gut zu dir passen, dass er sich leicht in deinen Alltag integrieren lässt. Mein Prozess ist daher als Orientierungshilfe zu sehen.

Schritt 1 – Konkrete Frage

Zu Beginn des Prozesses formuliere ich eine klare Frage oder Aufgabenstellung. Damit gehe ich dann eine Zeit lang schwanger. Das bedeutet, dass ich nicht aktiv darüber nachdenke, sondern die Frage ein paar Tage in mir wirken lasse.

Schritt 2 –Tätigkeiten mit offenem Fokus

Sobald die Frage steht, meditiere ich häufiger, gehe in den Wald oder zum Sport. Es kann auch sein, dass ich meinen Kleiderschrank aufräume. Während ich diesen Tätigkeiten nachgehe, lasse ich die Aufgabestellung los.

Schritt 3 – Ideen sammeln ohne Bewertung

Meist kommen bei den Alltagstätigkeiten oder bei der Meditation die ersten Ideen. Diese sammle ich zunächst, ohne sie zu bewerten. Entweder schreibe ich sie in mein Ideenbuch, oder sie kommen in mein Ideenarchiv in OneNote.

Schritt 4 – Ideen ordnen

Diesen Schritt bezeichne ich gerne als Sichten und Sieben, weil hierbei zum ersten Mal Ideen bewertet, sowie aus- oder umsortiert werden. Bei klar umgrenzten Aufgabestellungen sammle ich meine Ideen direkt in einer Mindmap. Bei umfangreicheren Fragestellungen nutze ich ein digitales Whiteboard oder klebe Post-its an die Wand. Manchmal nutze ich auch ein Trello-Board zum ordnen von komplexeren Themen. Sobald ich die erste Ordnung vorgenommen habe, lasse ich wieder los. Aber ich schaue regelmäßig darauf und ergänze, was mir noch einfällt oder lösche, was nicht richtig passt.

Ein kleiner Tipp: Wenn du dich nicht von Teilen deiner Idee trennen kannst, nutze eine Reserve unter der du solche Dinge parken kannst. Ich nenne das meinen Kompost. Es kommt vor, dass ich darauf später noch einmal zurückgreife.

Schritt 5 – Neue Fragen formulieren

Meist fallen mir beim Blick auf das Gesamtbild mit etwas Abstand neue Fragen ein, die ich noch nicht bedacht habe. Das trifft besonders auf Produktentwicklungen zu. Mit diesen Fragen wiederhole ich den hier beschriebenen Prozess so lange, bis sich das Resultat für mich stimmig anfühlt.

Schritt 6– Gegensätzliche Meinungen oder Feedback

Nachdem ich mir ein klares Bild darüber verschafft habe, welche Elemente zu meiner Idee gehören sollen, hole ich mir Feedback dazu. Hier schätze ich sowohl Kunden- als auch Kollegenfeedbacks. Es dürfen durchaus kontroverse Vorschläge kommen, denn die gegensätzliche Meinung weist meist auf etwas hin, was ich selbst übersehen habe. Es lohnt sich, darüber nachzudenken. Wenn ich aktiv um Feedback bitte, kann ich mit Kritik nicht nur besser umgehen. Es entsteht auf diese Weise auch ein schönes Miteinander, das Fruchtbares hervorbringt. Wichtig ist, dass du dir vorher Gedanken gemacht hast und genau über deine Idee Bescheid weißt. Dann kannst du mit Einwänden besser umgehen.

Ideen veredeln

Vergleichst du diesen Prozess jetzt mit der Natur, ist es in etwa so, als wolltest du eine Wildblumenmischung veredeln. Vielleicht, weil du von bestimmten Blumen mehr haben möchtest. Oder weil du eine neue Blumenmischung finden möchtest, die eine besonders schöne Wiese hervorbringt. Du sähst ein und schaust, was kommt. Die guten Samen erntest du und stellst die Mischung neu zusammen. Dann säst du sie erneut aus und guckst, was passiert. Während dieses Vorgangs wechseln sich kreative und logisch-rationale Phasen ab. Das machst du so lange, bis du mit dem Resultat glücklich bist.

Fazit

Ideen bekommen Substanz durch den Wechsel von konvergentem und divergentem Fokus – von analytischem und kreativem Denken. Von Anspannung, Entspannung, Austausch und Ordnen. Probiere den Prozess mal für dich aus und schau, welche dieser einzelnen Möglichkeiten für dich funktionieren. Und kommentiere gerne unter diesem Beitrag, welche Resultate du damit erzielen konntest.

Kreative Prozesse anstoßen

Shownotes:

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