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Wie du aus der Stagnation in den Fluss kommst.

Wie du aus der Stagnation in den Fluss kommst

Es gibt Zeiten im Leben, da geht es nicht mehr weiter. Egal was wir probieren, es scheint, als wären alle Türen verschlossen. Wir finden keinen Zugang zu dem, was uns wieder in den Fluss bringt.

Phasen der Stagnation richtig einordnen

In solchen Phasen fühlen wir uns gelangweilt, unglücklich, unerfüllt oder ungeduldig. Wir drängen uns zu einer Antwort und denken „Mensch, das müsste ich doch jetzt wissen.“. Es ist als würden wir Gas geben und gleichzeitig auf der Bremse stehen. Das Alte fühlt sich leer an und das Neue ist noch nicht da.

Wenn du dich in der Stagnation zu einer Antwort drängst, erhöhst du den Druck. Klick um zu Tweeten

Wenn es stagniert, gibt es immer gute Gründe dafür.

Wahrscheinlich fehlt noch eine Information oder irgendein anderes Puzzleteil, damit es auf dem bestmöglichen Weg weitergehen kann. Je mehr du darauf vertraust und loslässt, desto eher beginnen die Dinge wieder zu fließen.

Reaktion auf Widerstand

Wenn es jedoch einen Widerstand gegen Stagnation in dir gibt, erlaube ihm da zu sein und schaue ihn dir genau an. Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass sich dieser Widerstand gegen die Realität verstärkt, wenn du gegen sie ankämpfst.

Wenn du hier schon eine Weile mit liest, weißt du, dass ich ein Fan von Annahme bin. Nicht, dass ich nie in einen Widerstand gerate. Im Gegenteil. Ich kenne das mit dem Widerstand so gut, dass ich nicht aufgebe, ihm immer wieder nachzuspüren, um ihn leichter annehmen und damit loslassen zu können. Denn ich weiß…

Was wir annehmen, lässt uns von alleine los! Klick um zu Tweeten

Als ich mich mit Mitte dreißig aus meinem Werberleben zurückzog, hatte ich keine Ahnung, was ich mit meinem Leben anfangen sollte. All die Gefühle, die ich zuvor beschrieben habe, waren in mir. Ich war wie gelähmt. Mein Körper zwang mich zur Ruhe, mein Geist war mit tausend Du-Mussts beschäftigt und meine Emotionen fuhren Achterbahn mit mir. Obwohl ich ansonsten ein inspirierter Mensch bin, empfand ich zu dieser Zeit Ödnis und Leere.

Da ich gewohnt war, immer in Bewegung zu sein, war diese bewegungsarme Zeit für mich eine nutzlose Zeit. Sie bedeutete Stillstand und das empfand ich als unerträglich. Wenn ich nach innen spürte, kam nichts. Keine Idee, keine Inspiration, keine Begeisterung. Ich hatte noch nicht einmal eine leise Ahnung davon, was ich vom Leben will.

Hüh oder Hot?

Irgendwann bemerkte ich, dass es da zwei Seelen in meiner Brust gab.  Die eine Stimme sagte: „Du musst es wissen!“ Die andere Stimme sagte: „Einen Sch*** muss ich!“ Letzere war die Stimme meines Körpers. Ich schaute mir den Konflikt etwas genauer an…

Ich sollte es wissen, weil…

  • ich gelernt hatte, dass ich immer wissen muss, was ich will.
  • die Gesellschaft und Teile meines Umfeldes genau das von mir erwarteten.
  • ich den Schmerz des Nichtwissens nicht fühlen wollte.

Ich wollte es nicht müssen, weil…

  • mein Körper sich nach einer Pause sehnte.
  • die Realität mir gerade vor Augen hielt, dass ich nicht sterbe, wenn ich es nicht weiß.
  • ich insgeheim zugeben musste, dass mir diese erzwungene Pause gelegen kam, um endlich mal über mein Leben nachdenken zu können.

Da ich ich damals noch nicht wusste, wie das mit der Achtsamkeit auf Gefühle funktioniert, half mir ein realistischer Blick auf meine Realität.

Die Entscheidung, stagnieren zu dürfen

In diesem JEIN erkannte ich meine Fremdbestimmung. Offensichtlich hatte ich mein Leben an dem orientiert, was von mir erwartet wurde. Das war eine unangenehme Erkenntnis, denn ich war immer schon ein freiheitsliebender Mensch. Also erlaubte ich mir einen mutigen Blick auf die beiden Lager und fasste den Entschluss, die für mich liebevollste Entscheidung zu treffen.

Diese Entscheidung war die Erlaubnis, es nicht zu wissen zu müssen.

Nicht, dass sich meine Gefühle dadurch von heute auf morgen änderten. Dafür war ich mir selbst zu lange ausgewichen. Aber ich spürte, wie nach und nach der Druck heraus ging. Ich konnte mich ganz langsam entspannen. Mit der Zeit bemerkte ich zaghafte Lustimpulse und beschloss, es dieses Mal anders zu machen. Also folgte ich ihnen. Der erste Impuls war das Bedürfnis nach tiefer Entspannung.

Ich meldete mich zu einem Tai Chi Kurs an, weil mich bereits das Zuschauen in einen entspannten Zustand versetzte. Das war der Startschuss zu dem, was ich heute mache. Es hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich mich nach wenigen Wochen zu einer Kursleiterausbildung entschied.

Der Lust zu folgen, macht unglaublich lebendig. Klick um zu Tweeten

Die Du-Musst-Gedanken haben sich später wieder eingeschlichen. Aber jetzt wusste ich, wie ich diesem Gedanken begegnen konnte.

Sich auf die Realität einlassen

Die Entscheidung, es nicht wissen zu müssen, hat mir große Erleichterung gebracht. Sie hat zunächst die Angst vor Kontrollverlust gesteigert. Jedes Loslassen eines Lebensabschnittes hat mich mit dieser Angst in Berührung gebracht. Dadurch lernte ich, mich dem Fluss des Lebens anzuvertrauen.

Der Vorgang verläuft etwa nach diesem Schema:

  1. Ein Lebensabschnitt ist vorbei. Das Pferd ist tot.
  2. Ich fühle mich noch nicht bereit abzusteigen.
  3. Ich sitze auf dem toten Pferd und warte auf ein neues lebendiges.
  4. Zeit vergeht und nichts geschieht.
  5. Ich weiß, was ich nicht mehr will.
  6. Ich weiß (noch) nicht, was ich will.
  7. Das Neue zeigt sich und es geht weiter.

In diesem sich wiederholenden Prozess habe ich gelernt, es nicht wissen zu müssen und mich genau darin kennen zu lernen. Erst hierdurch wurde das Öffnen für das Neue möglich..

Dem Nichtwissen begegnen

Also erlaubte ich mir meine ängstlichen Gedanken zu Ende zu denken und schrieb sie auf. Es waren diese Fragen, die mir einen neuen Weg aufzeigten:

1. Was kann schlimmstenfalls geschehen, wenn ich es nicht weiß?
Die Antwort war: Ich werde sterben oder ein tristes Dasein fristen. Beides erschien mir recht unwahrscheinlich, denn ich hatte schon ähnliche Zustände erlebt, ohne dass ich gestorben war.

2. Was wäre, wenn ich diese Angst nun wirklich fühlen würde?
Die Antwort war wieder: Ich werde sterben. Angst war offensichtlich ein Gefühl, was ich nicht auszuhalten glaubte. Soviel war klar.

3. Was kann ich tun, um mich mit dieser Angst anzufreunden?
Aus dem Tai Chi wusste ich, dass Widerstand den Fluss unterbricht. Also experimentierte ich damit herum und erlaubte mir, die Angst – also den Widerstand selbst – voll und ganz zu fühlen. Dieser dritte Schritt war der wichtigste. Mit ihm ließ ich mich auf die Angst ein. Ich wich ihr nicht länger aus. Das war nicht besonders angenehm. Aber es half mir zu erkennen, dass keine meiner Befürchtungen tatsächlich eintraf.

Angst ist eine vorweggenommene Annahme, die auf alten Erfahrungen beruht - nicht die Wahrheit. Klick um zu Tweeten

Wenn das Loslassen schwer fällt, gibt es meiner Meinung nach immer etwas, was (noch) nicht gefühlt werden will. Meistens ist das ein alter Schmerz. Die damit zusammen hängende Erfahrung projizieren wir auf die Zukunft. Daraus entstehen dann diese Katastrophengedanken.

Katastrophengedanken lassen und erstarren – auch Totstellreflex genannt.

Wir verharren lieber, als auf das zuzugehen, was wir befürchten.

Wenn wir aber auf unser Leben mit wachem Blick zurückschauen, erkennen wir, dass die angenommene Katastrophe nur selten eingetreten ist. Wir erkennen, dass diese Gedanken uns in der der Stagnation halten und dadurch jegliche Lebendigkeit verhindern.

Eine Übung aus der Praxis

Wenn sich in meinen Seminaren eine solche Angst zeigt, bitte ich den Teilnehmer (m/f) in den Körper hinein zu spüren – zu der Stelle hin wo die Angst sitzt. Manchmal wird sie im Bauch gespürt. Ein anderes Mal wird sitzt sie im Nacken. Dann bitte ich den Teilnehmer, diese Empfindung genau zu beschreiben. Nicht selten ist es die Empfindung, dass dort jemand festhält. Dreht er sich dann um, um dem ins Gesicht zu schauen, was da festhält, kommt Bewegung in die Sache.

Es kann sein, dass die Knie weich werden und die Empfindung ins Nichts zu fallen auftaucht. Hier bitte ich den Teilnehmer, genau das Gegenteil von dem zu tun, was die Angst sagt. Ich lade ihn oder sie ein, sich in dieses Nichts hineinzulegen und wahrzunehmen, was dann geschieht. Meist ist das zu Beginn unangenehm aber nach einer kurzen Zeit kommt fast immer diese Antwort, wenn ich frage, wie sich das anfühlt:

Ich fühle mich getragen!

Ist das nicht großartig. Die größte Angst war, ins Nichts zu fallen. Und wenn du es dann in deiner Vorstellung und körperlich tust, fühlst du dich getragen. Genau das Gegenteil von dem wovor du dich gefürchtet hast tritt ein.

Einer Angst ins Gesicht zu schauen, macht mutig und steigert dein Vertrauen in dich.

Fazit:

Meine Erfahrung ist, dass sich dieses Vorgehen auf alle Ängste – Widerstände – übertragen lässt. Fühlen wir in das hinein, was sich auf der Körperebene zeigt und begegnen dem mutig, machen wir die Erfahrung vom Leben getragen zu sein. In dieses Getragensein können wir uns hinein entspannen. Die Angst löst sich in Nichts auf und wir können loslassen.

Der Fokus verändert sich von dem, was wir nicht wollen, auf das, was aus uns heraus werden will.

Probiere es doch auch mal aus, wenn du das nächste Mal in einer Stagnationsphase feststeckst und sich nichts mehr bewegt. Wenn sie sich nicht gleich zeigt, pflücke sie auseinander und schaue dir die Realität an, wie ich es weiter oben beschrieben habe.

Deine

Claudia

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4 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Susanne sagt:

    Ganz herzlichen Dank für diesen tollen Beitrag. Ich habe auch schon einige Male auf einem toten Pferd gesessen, wollte da nicht weg weil ich mich vom Alten nicht trennen wollte. Mittlerweile lebe ich nach dem Motto:“Alles ist für irgendetwas gut“. Wenn ich diese Situation annehme, alte Dinge loslasse und darauf vertraue, dass dann der Weg für Neues frei ist, dann lebt es sich viel entspannter. Aber das musste ich üben.

    1. Liebe Susanne,
      vielen Dank für deine Zeilen und für dein Feedback. Dieses Motto teilen wir und ich gebe dir Recht mit dem Üben. Was so lange auf eine bestimmte Weise gemacht wurde, ändert sich nicht von heute auf morgen.
      Ganz liebe Grüße
      Claudia

  2. Alex sagt:

    Hallo Claudia,
    fühlt sich wie für mich geschrieben an. Fällt mir ziemlich schwer die Annahme.
    Werde bzw. habe Deine Tipps ausprobieren/ausprobiert.
    Danke und liebe Grüße
    Alex

    1. Liebe Alex,
      danke für deine Zeilen hier. Ich freue mich, dass du etwas in diesem Beitrag für dich gefunden hast und freue mich darauf, mehr über deine Erfahrungen damit zu erfahren.
      Liebe Grüße
      Claudia

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