Eine junge attraktive Frau steht auf dem roten Teppich und verrenkt ihren Körper. Es sieht seltsam aus, wenn sie das tut. Sie ist tätowiert und bemüht cool auszusehen. Da will mir ein bestimmtes Image vermittelt werden. Aber genau das kaufe ich ihr nicht ab. Mir drängt sich die Frage auf, ob in dieser Hülle tatsächlich jemand zuhause ist. Sie ist nicht authentisch, wirkt einsam, irgendwie in Not. Die Rede ist von einer jungen Influencerin, deren rockiges Image hauptsächlich durch ihre Tattoos und ihre Vorliebe für Partner aus der Bösewichtecke transportiert wird.

Wenn das Image nicht der Persönlichkeit entspricht

Ihr Instagram-Profil zeigt sie in sich wiederholenden Posen. Auch hier finde ich das stylishe und rockige Image vor. Bei all dem kann ich mich nicht erwehren, dass mir hier ein Bär aufgebunden werden soll. Genau dieser Eindruck verstärkt sich, als ich ein persönliches Interview mit ihr sehe. Jeder mit einem Minimum an Menschenkenntnis nimmt wahr, dass hinter der coolen Fassade eine große Verletzlichkeit liegt – und bleibt mit einem großen Fragezeichen zurück.

Genau das birgt für diese junge Frau eine Gefahr. Sie polarisiert – bis hierhin gut für jede Marke. Aber in den Kommentaren unter ihren Posts finden sich jede Menge Kritiker, die teilweise sehr persönlich werden. Wer die Kommentare liest, erkennt, dass die Leser sie gern mögen wollen, sich aber weniger Coolness und mehr Menschlichkeit von ihr wünschen. Auf diesem Profil kommt es täglich zu Kränkungen, was wahrscheinlich dazu führt, dass sie ihre Verletzlichkeit noch mehr verbirgt.

Die Agentur, die das „verbrochen“ hat, sollte man verklagen. Sie hat die Türen dafür geöffnet, diesen jungen Menschen zu brechen. Ihre Marke bietet kaum Spielraum für ein natürliches Nachreifen. Der Teil, der ihre Marke wirklich glaubhaft machen würde, wurde von vornherein ausgeschlossen.

Authentische Marken polarisieren ohne Beigeschmack. Share on X

Sie wirken anziehend oder nicht. In den meisten Fällen wird ihnen aber von ihren Kritikern eine gewisse Achtung entgegen gebracht, auch wenn sie sie selbst nicht wählen würden.

Diese kleine Geschichte zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, authentisch sichtbar zu werden. Was viele vergessen: Authentizität bietet auch einen gewissen Schutz.

Bewunderung ist eine Nahrung ohne Substanz

Bewunderung ist eine Nahrung ohne Substanz. Sie kann uns kurzfristig glücklich machen, aber langfristig wird sie uns nicht erfüllen. Wenn wir unser Leben nur auf Bewunderung ausrichten, werden wir am Ende unglücklich und leer sein.

In dem hier besprochenen Beispiel wurde eine Marke mit der Absicht der narzisstischen Zufuhr aufgebaut. Die Person hinter der Marke wollte Aufmerksamkeit und Anerkennung. Sie erhielt nicht ein starkes Charakterimage als Schauspielerin, sondern forderte von ihren Fans Bewunderung für ihren Lifestyle und ihr Aussehen ein. Der Mensch dahinter blieb unsichtbar.

Das ist das Risiko, wenn der Lifestyle im Zentrum der Marke steht, wie das bei Personenmarken häufig der Fall ist. Viele Menschen träumen davon, bekannt oder berühmt zu sein. Sie glauben, dass Bewunderung und Aufmerksamkeit sie glücklich machen werden. Aber die Wahrheit ist, dass Bewunderung nur eine vorübergehende Befriedigung ist. Sie wird uns nicht dauerhaft glücklich machen.

Eine Studie der University of California, Berkeley, fand heraus, dass Menschen, die positives Feedback erhielten, eine erhöhte Dopaminaktivität im Belohnungszentrum des Gehirns zeigten. Dies unterstützt eine weitere Studie der University of Michigan. Diese fand heraus, dass sich die erhöhte Dopaminaktivität in dem Bereich des Gehirns zeigten, der mit dem Selbstwertgefühl verbunden ist. Beide Studien legen nahe, dass Bewunderung und Anerkennung die Dopaminzufuhr im Gehirn stimulieren können und uns ein Gefühl der Freude, Befriedigung und Selbstwertgefühl vermitteln können. Allerdings kann diese Dopaminfreisetzung auch süchtig machen. Wenn wir ständig nach Bewunderung und Anerkennung suchen, kann dies zu einem Suchtverhalten führen.

Ich finde es daher höchst bedenklich, solche Lifestyle-Marken zu entwickeln. Das ist auch der Grund, warum ich mich auf Expertenmarken spezialisiert habe. Hier liegt der Fokus auf der Erfahrung, dem Wissen und der Kompetenz eines Unternehmers. Das macht ihre Marke persée authentischer und glaubwürdiger.

Wenn du als Unternehmer oder Unternehmerin aus dieser tragischen Geschichte lernen willst, konzentrieren dich darauf, echte Werte zu schaffen. Biete Produkte und Dienstleistungen an, die Menschen wirklich helfen. Inspriere sie mit echter Lebens- und Berufserfahrung und gib ihnen etwas, das sie schätzen. So baust du dir nicht nur eine authentische Marke auf, sondern machst auch Menschen glücklich.

Authentische Marken brauchen eine klare Identität

Jeder Schritt in die Öffentlichkeit braucht ein klares Bewusstsein der eigenen Identität. Wenn du eine Personenmarke aufbauen möchtest, musst du wissen, wer du bist, was du zu bieten hast und was deine Werte sind. Wenn du über deine Marke mit deiner Zielgruppe kommunizieren willst, solltest du deine Persönlichkeit authentisch und ansprechend zeigen können.

Bei der Entwicklung von Personenmarken ziehen wir die Essenz aus der Persönlichkeit. Das bedeutet, dass wir uns mit deinen schmerzhaften Erfahrungen, deinen Erfolgen, deinen Eigenschaften und deinen Schwächen beschäftigen. So verstehe ich besser, was dich zu dem Menschen macht, der du bist.

Zum Helden oder zur Heldin wird, wer nach dem Scheitern wieder aufsteht. Wer sich den Schmutz abschüttelt und demütig von seinen Learnings berichtet. Menschen verbinden sich am liebsten mit Menschen, die berührbar sind. Sie begegnen dir auf Augenhöhe und stellen sich nicht über dich.

Wenn du eine starke Personenmarke aufbauen möchtest, solltest du authentisch, sympathisch und berührbar sein. Deine Marke hat mehr Kraft hat, wenn du dir innerlich klar darüber bist, wer du bist und was du zu bieten hast.

Wenn du eine starke Expertenmarke aufbauen möchtest, konzentriere dich auf deine Expertise und dein Fachwissen. Deine persönliche Geschichte ist dann die Würze, die dich als Experte glaubwürdig, sympathisch und berührbar macht.

Abenteuer Identität - Authentisch sichtbar werden

Berührbare Helden machen Marken echt!

Ein berührbarer Mensch ist jemand, der seine Verletzlichkeit auf eine Weise zeigt, die authentisch und ansprechend ist. Er ist nicht perfekt, aber er ist ehrlich und offen. Er ist bereit, seine Fehler zuzugeben und daraus zu lernen. Er ist auch bereit, anderen zu helfen und sie zu inspirieren.

Berührbare Helden sind wichtig, weil sie uns zeigen, dass wir nicht allein sind. Sie zeigen uns, dass es okay ist, nicht perfekt zu sein. Sie zeigen uns, dass wir alle wachsen und lernen können. Sie inspirieren uns, unser Bestes zu geben und die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Brené Brown, eine amerikanische Sozialwissenschaftlerin, Autorin und Rednerin forscht seit langem zu der Wirkung von Verletzlichkeit, Scham und Authentizität. In ihrem Buch „Die Kraft der Verletzlichkeit“ schreibt sie, dass Verletzlichkeit nicht bedeutet, schwach zu sein. Im Gegenteil, sie sagt, dass Verletzlichkeit eine Stärke ist.

Es ist die Fähigkeit, sich selbst zu zeigen, auch wenn man Angst hat. Es ist die Fähigkeit, Risiken einzugehen und sich verletzlich zu machen. Brown sagt, dass Verletzlichkeit das Einzige ist, das uns echte Verbindung und Liebe ermöglicht. Damit wird sie zum Schlüssel für echtes Glück und Erfolg ist.

Mit der Fähigkeit über deine Persönlichkeit echte Verbindungen aufbauen zu können, schaffst du langfristig loyale Beziehungen zu deinen Kunden und anderen Geschäftskontakten. So gestaltest du ein glaubwürdiges Image.

Wenn ich gemeinsam mit Kunden ihre Markengeschichte entwickle, achte ich dabei besonders auf die Authentizität der Geschichte. Mir ist wichtig, dass sie eine Geschichte erzählen, die zu ihnen passt und die ihre Werte widerspiegelt. Sie sollen eine Geschichte erzählen, die die Menschen berührt und sie dazu inspiriert, etwas zu verändern.

Authentisch sichtbar sein, bedeutet nicht, dass du alles von dir zeigst. Es bedeutet, dass das, was du zeigst, wirklich dir entspricht. Share on X

Hier sind einige Tipps für die Entwicklung einer starken Markengeschichte:

Wenn du diese Tipps befolgst, kannst du eine starke Markengeschichte entwickeln, die dir dabei hilft, in der Öffentlichkeit sichtbar zu werden und eine Verbindung zu deinen Kunden aufzubauen.

Verletzlichkeit als Orientierungshilfe für die Sichtbarkeit

Wenn du dich in einer Situation befindest, in der du dich verletzlich fühlst, ist es wichtig, dass du dich daran orientierst. Verletzlichkeit ist eine Kraft, die dich voranbringen kann. Sie kann dir helfen, dich zu öffnen, dich mit anderen zu verbinden und neue Erfahrungen zu machen. Wenn du dich verletzlich fühlst, ist es wichtig, dass du dir Zeit nimmst, deine Erfahrungen zu integrieren und die damit verbundenen Gefühle zu verarbeiten. Wahrscheinlich ist jetzt noch nicht die Zeit, um damit rauszugehen. Versuche, die Situation zunächst aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Was kannst du aus dieser Erfahrung lernen? Was kannst du daraus mitnehmen?

So findest du heraus, ob deine Geschichte schon reif für die Welt ist:

Wenn du dich bereit fühlst, deine Geschichte mit anderen zu teilen, ist es wichtig, dass du ehrlich und authentisch bist. Sei dir bewusst, dass deine Geschichte nicht perfekt sein muss. Es ist wichtiger, dass du du selbst bist und zu deiner Erfahrung stehst. Deine Geschichte kann andere inspirieren und ihnen Mut machen. Sie kann ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind und dass es möglich ist, schwierige Zeiten zu überwinden.

Behalte einen positiven Blickwinkel, wenn du mit deiner Geschichte nach außen gehst. Konzentriere dich auf deine Learnings und Erfolge. Dankbarkeit ist ein gutes Stilmittel, um deine Erfolge auf Augenhöhe in die Herzen der Menschen zu bringen.

So kannst du viel Positives in der Welt bewirken. Du kannst anderen helfen, sich weniger allein zu fühlen, ihnen Mut machen und so die Welt ein wenig besser machen.

Grenzen der Offenbarung – Was du nicht zeigen solltest

Als Unternehmer bist du ständig in der Öffentlichkeit. Du präsentierst dich auf deiner Website, in den sozialen Medien und auf Veranstaltungen. Es ist wichtig, dass du dich in der Öffentlichkeit authentisch zeigst, aber es ist auch wichtig, dass du deine Grenzen setzt. Dabei ist die eigene Sichtbarkeit im Internet ist ein persönliche Angelegenheit. Was zu sensibel ist, solltest du schützen.

Meine Richtschnur lautet: Was nicht gelöst ist, gehört nicht in die Öffentlichkeit.

Es ist ein Akt der Selbstachtung, wenn du Grenzen setzt. Du schützt dich damit vor Belästigung, Missbrauch und anderen negativen Folgen der Sichtbarkeit. Hier empfehle ich, vorher darüber nachzudenken, wo die Grenzen deiner Privatsphäre liegen. So stärkst du schon vor dem Schritt in die Öffentlichkeit deine Selbstachtung und schonst deine Energie.

Bei den folgenden Informationen solltest du besonders achtsam sein:

Wenn du zu einer öffentlichen Person wirst, wird es immer wieder einmal zu Situationen kommen, wo du neu darüber nachdenken musst, was für dich stimmig ist. Achtsamkeit hilft dir dabei, deine Grenzen in dir wahrzunehmen. Deine Gefühle und Gedanken sind ebenfalls eine gute Orientierungshilfe, so wie auch deine Körpersprache, deine Bedürfnisse und deine Energie. So bemerkst du frühzeitig, wenn du dich auf dem falschen Weg befindest.

Wie du Ablehnung zu deinem Vorteil nutzt

Doch kann uns all die Vorsicht letzlich nicht vor allen Verletzungen schützen. Wir wissen nie, woran andere Menschen Anstoß nehmen. Jeder ist in seinem eigenen Bewertungsrahmen unterwegs. Deshalb müssen wir als Menschen in der Öffentlichkeit grundsätzlich mit Ablehnung rechnen.

Für mich war die Bewertung anderer immer schon eine Herausforderung. Vor einigen Jahren hab ich einen Ärztekongress moderiert, auf dem namhafte Größen aus dem Bereich der Hirnforschung und Psychologie sprachen. Ich hatte eine Heidenangst davor und alles lief schief. Vor einiger Zeit habe ich die Geschichte auf Linkedin erzählt. Der Beitrag hatte eine Reichweite von knapp dreitausend Impressionen, wurde neunundneunzig mal geliked und 48 mal kommentiert. Das zeigt deutlich, wie aus einer negativen Erfahrung eine positive werden kann.

 

Du kannst dich nicht gänzlich vor Ablehnung schützen, denn du weißt nicht, was andere an dir auszusetzen haben. Deshalb solltest du in der Öffentlichkeit grundsätzlich mit Ablehnung rechnen. Du hast in diesem Beitrag einige Anregungen bekommen, wie du dich auf solche Situationen vorbereiten kannst. Hier nochmals eine kleine Zusammenfassung:

Du hast keinen Einfluss darauf, was andere über dich denken! Du kannst nur für deine eigene Botschaft verantwortlich sein. Was andere daraus machen, ist ihre Sache. Wenn du dir dessen bewusst bist, kannst du in der Öffentlichkeit achtsamer auftreten. Du ordnest die Reaktionen der Menschen anders ein und bleibst mehr bei dir.

Warum du Marken strategisch aufbauen solltest

Die beste Vorbereitung auf die Öffentlichkeit ist meiner Meinung nach eine bewusste Markenbildung. Entscheidend ist, dass sich die Marke nicht nur an der Persönlichkeit oder ihrem Lifestyle, sondern vor allem an dem Nutzen für den Kunden orientiert.

Eine gute Marke ist nicht nur schön anzusehen, sondern sie muss auch einen Mehrwert für den Kunden bieten. Sie muss ihm helfen, seine Probleme zu lösen oder seine Ziele zu erreichen. Für die Markenentwicklung werden vorrangig die Geschichten verwendet, die Basis für das Expertenwissen bilden oder dieses hervorgebracht haben.

Geschichten sind eine großartige Möglichkeit, deine Marke mit Leben zu füllen und eine emotionale Verbindung zu deinen Kunden aufzubauen. Sie können deine Expertise unter Beweis stellen, deine Persönlichkeit zeigen und deine Kunden in ihren Bann ziehen, ohne dass du zu viel von dir preis geben musst.

Expertenmarken schützen die Persönlichkeit! Share on X

Eine starke Marke gibt dir die Freiheit, deine Persönlichkeit zu zeigen und dich authentisch zu präsentieren. Du musst dich nicht verstellen oder eine Maske tragen, um erfolgreich zu sein.

Hier teile eine sehr persönliche Erfahrung, die ich erst in meine Story integriert habe, als ich mir über die Learnings klar war. In dem Interview spreche ich über ein Scheitern, das mich beruflich stark geprägt und zu der Expertin gemacht hat, die ich heute bin. Ich habe aus dieser Erfahrung viel gelernt und ich bin dankbar dafür, dass ich sie mit anderen teilen konnte. Und hier findest du die Signature Story meiner Marke.

Fazit

Eine Marke bietet dir die Möglichkeit, deine Kommunikation und dein Image gezielt zu steuern. Sie zeigt nur das von dir, was für deinen Expertenstatus wichtig ist. Dabei bleibst du authentisch, menschlich und damit glaubwürdig. Deine Marke wirkt von innen nach außen und zurück in die Persönlichkeit. Deshalb ist jede gut entwickelte Marke auch eine Quelle für die persönliche und unternehmerische Entwicklung.

Hast du dich auch schon gefragt, wie du authentisch sichtbar wirst und was du in der Öffentlichkeit zeigen willst und was nicht?

Teile gerne deine Erfahrungen in den Kommentaren, wenn sie bereit für die Öffentlichkeit sind.

Alles Liebe

Claudia


Das könnte dich auch interessieren:

Tabuthema Insolvenz – Mit diesen 12 Tipps dein Scheitern in einen Erfolg umwandeln
Bewusste Markenführung -10 Vorteile einer achtsam gelenkten Marke
10 Mutmacher gegen die Angst vor Sichtbarkeit

Der Beitrag wurde am 19.08.2023 überarbeitet.

3 Responses

  1. Ganz herzlichen Dank, liebe Claudia!

    Ich las deine Zeilen wieder so gerne – es gibt in der Tat wenige „Blog-Impulse“ (ich schreibe „Blog“ auch wenn ich weiß, dass dein Wirken & Schaffen ja viel mehr beinhaltet), die mir so viele Aha-Momente bescheren.
    Es stimmt: Um mit beiden Beinen, weitem Herzen, Vertrauen und Offenheit in der Öffentlichkeit zu stehen, sollte meine Persönlichkeit gefestigt sein. Ich sollte wissen wie ich ticke – mit Ecken, Kanten und tatsächlich insbesondere den eigenen verletzlichen Seiten.
    Schön und passend finde ich auch deine „Definition“ von Authentich-Sein: eben nicht alles & alles überall raushauen und jeden mit seiner Wahrheit beglücken, sondern fein hinschauen- und spüren, was konkret ich (mit) teilen möchte.
    In einem meiner Artikel, in dem es um das Schreiben und sich Offenbaren ging, hieß es:
    „Es wird immer Menschen geben, die dich oder das was du machst kritisieren, aus verschiedensten Gründen. Je mehr du von dir selbst zeigst, je mehr Aufmerksamkeit du auf dich ziehst und Veränderungen in dein Leben bringst, umso mehr wirst du auch kritisiert werden. Ich möchte gerne offen und berührbar bleiben für das, was andere mir aufzeigen, mir spiegeln. Gleichzeitig möchte ich auch zu mir stehen, weitergehen und unterscheiden lernen, wann eine Reaktion wirklich mit mir zu tun hat, ich etwas lernen soll, und wann es doch mit dem So-Sein des anderen zu tun hat, er etwas lernen darf. Veränderungen, die ich initiiere, rütteln auch stets an den Grenzen des anderen, an seinem Lebensmodell.“
    Dadurch dass ich meiner Schreib-Leidenschaft nachgegangen bin und meine Gedanken und Ideen in meinem Blog und auch im compassioner preisgebe, bin ich insgesamt viel mutiger geworden. Ich freue mich über Resonanz, den Austausch mit anderen und auch das Kennelernen neuer Menschen auf digitalem Wege. Gleichzeitig ist dieser Weg, so mein Erleben – direkt kommunziert wird mir das gar nicht immer, für Menschen, die mich schon lange kennen, auch befremdlich. Doch ich spüre: Ich bin hier richtig. Und gehe weiter.
    Kannst du mir sagen, woran es liegt, dass ich, je sichtbarer ich werde, auch immer mehr zur Projektionsfläche, auch für die Schattenseiten des anderen werde? Vielleicht auch, da Stärke und Selbstbewusstsein oft als Überheblichkeit gedeutet wird?
    Würde mich riesig über Resonanz freuen, gerne auch von anderen:-)!

    Alles Liebe zu dir & deinen Lesern,
    Carolin

    1. Liebe Carolin,

      vielen Dank für deine Zeilen. Zunächst einmal vorab. Ich mag sehr, wie du schreibst. Besonders dein vorletzter Artikel hat mich berührt. Wie stark du warst in deinem Schmerz und wie wunderbar ihr mit der Situation umgegangen seid. Mich hat das tief beeindruckt, dass du die Compassioner-Leser an der Sterbebegleitung deiner Mama hast teilhaben lassen. (Der Link wurde entfernt, weil der Artikel nicht mehr zur Verfügung steht.)

      Nun zu deiner Frage. Ich habe ein bisschen damit herumexperimentiert, wann Projektionen geschehen. Du weißt, ich zeige hier viele meiner Schwächen und Misserfolge. Das müsste normalerweise dazu führen, dass weniger Projektion stattfindet. Tut es aber nicht. Denn wenn ich meine Schwächen okay finde und sie offen zeige, erreichen sie ja auch jemanden, der dies vielleicht in sich noch nicht so okay findet. Vielleicht gibt es in ihm dieselbe Schwäche und er lehnt sie noch sehr stark ab. Das wäre dann die negative Projektion. Ein anderer hat vielleicht schon akzeptiert, dass er eine Schwäche hat und hat das Ziel so damit umzugehen, wie du. Hier wird dann eher Bewunderung da sein. Was ich damit sagen will. Wenn du dich authentisch zeigst, wirst du mehr polarisieren. Das ist eine der Wachstumsaufgaben, die ein authentischer Auftritt mit sich bringt.

      Arrogant und überheblich ist eine Bewertung des anderen (oder eine vermutete Bewertung in dir). Ich prüfe in solchen Fällen, ob es in mir eine Angst oder Ablehnung dagegen gibt, über andere hinauszuwachsen. Was sowieso nie voll umfänglich geschieht, sondern meist nur in einem Bereich.

      Ich hoffe, das hilft dir ein bisschen…

      Alles Liebe und Gute
      Claudia

  2. Liebe Claudia,

    das hilft mir sowas von weiter:-)! Und macht für mich Sinn! Danke herzlich, deine Zeilen bezüglich des Projizierens werde ich mir in meinen Aufzeichnungen hinterlassen und sicher noch einige Male durchlesen.
    Danke auch dafür, dass du meinen Artikel über die letzten Tage mit unserer lieben Mutter hier geteilt hast! Das Veröffentlichen kam – wie sagt man: eine Not zur Tugend machen? – vor allem dadurch zustande, dass ich in besagter Zeit keinen Nerv für einen „Compassioner-Kommunikations-Artikel“ hatte und dann dieser Artikel „herhalten musste“. Im Nachhinein sicher gut so.

    Hab‘ s gut, du. Ich grüße!

    Carolin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert