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Kommunikative Sackgassen! Wenn die Antwort ausbleibt…

Wenn die emotionale Antwort ausbleibt

Wir Menschen sind soziale Wesen. Wir teilen uns mit und wünschen uns Resonanz – im besten Falle eine stimmige. Unser Oxitocinspiegel (Bindungshormon) steigt, wenn unsere Beziehungsbedürfnisse gesehen, wertgeschätzt und angemessen beantwortet werden. Geraten wir in Kommunikative Sackgassen, werden wichtige Bedürfnisse nicht erfüllt, wie etwa die…

Bedürfnisse nach Resonanz und Beziehung

Bleibt die Antwort aus, finden diese Bedürfnisse keinen fruchtbaren Boden. Das geteilte Gefühl bleibt unbeantwortet. Der Mensch, dessen Gefühl nicht oder nicht adäquat beantwortet wird, spürt Traurigkeit, Wut, Hass und im schlimmsten Fall gar nichts mehr. Der Schmerz den er fühlt, resultiert aus der nicht zustande gekommenen Verbindung. Abhängig von seinen Vorerfahrungen antwortet er darauf. Die einen reagieren mit Ärger, die anderen ziehen sich wortlos zurück. Geschieht dies häufiger, belastet es die Beziehung.

Da wo die emotionale Antwort ausbleibt, kommt keine Verbindung zustande!

Dieser Artikel ist mein Beitrag zur Blogparade #Für mehr Wertschätzung von Jana Ludolf. Ich danke ihr für den wertvollen Impuls. Mich hat insbesondere die Verbindung zur Kommunikation inspiriert. Wie ich legt Jana legt großen Wert auf ein wertschätzendes Miteinander.

Reaktionen auf kommunikative Sackgassen
Wer wären wir, wenn wir unsere innere Welt nicht mit anderen teilen könnten? Teilen bringt uns zusammen. Es ermöglicht uns, emotional mit einem anderen Menschen mitzuschwingen. Hierdurch erhalten wir einen tiefen Blick in die Welt des anderen. Dieser fühlt sich durch unsere angemessene Antwort gesehen und wahrgenommen in seinem Fühlen. Das baut Vertrauen und Verbundenheit auf.

Bleibt die angemessene Antwort aus, kann das folgende Reaktionen auslösen:

  • Beklagen und einfordern
    Das kann das Schweigen des einen Gesprächspartners verstärken, weil er sich unter Druck fühlt. In privaten Beziehungen wird das häufig als Klammern erfahren.
  • Innerer oder äußerer Rückzug aus der Beziehung
    Mit der Zeit wird es immer schwieriger, eine gemeinsame Ebene zu finden.
  • Zurückhalten von persönlichem Inhalten
    Die Beziehung bleibt oberflächlich. Beide zeigen sich nicht mehr, wie sie wirklich sind.
  • Es wird Absicht unterstellt.
    Das Schweigen wird als persönlicher Angriff verstanden. Das führt zu Abwehr in der Beziehung.
  • Das Verhalten wird (ab-)gewertet
    Das führt dazu, dass der Schweigende noch mehr in sich zurückzieht.
  • Der auf Antwort Wartende redet unerlässlich.
    Hält jemand die Stille nicht aus, kann Reden ein Weg sein, mit der Angst besser zurecht zu kommen.

Schweigen bedeutet für manchen ignoriert werden. Das kann an alte Wunden erinnern. Die genannten Reaktionen sind Abwehr- und Überlebensstrategien aus der Kindheit. Wenn wir diese in unsere privaten und beruflichen Beziehungen hineintragen, schwächen wir unsere Position und unterliegen wieder.

Spieglein, Spieglein…
Der Wunsch nach einer Antwort ist der nach Resonanz. Wir suchen Feedback und Rückmeldung im Kontakt. Es gibt uns Sicherheit, wenn wir auf die richtige Weise von einem Menschen gespiegelt werden. Ich verwende den Begriff Spiegelung hier, obwohl ich ihn in diesem Zusammenhang als nicht ganz stimmig empfinde. Er wird jedoch in der psycho-spirituellen Szene häufig verwendet und ist somit in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen.

Für mich ist das Wort leicht negativ belegt, da es häufig im Zusammenhang mit Narzissmus verwendet wird. Im Narzissmus geht es jedoch eher um die Bedürfnisse Aufmerksamkeit und Bewunderung. Dem Narzissten geht es nicht primär um Verbindung. Er möchte sich rückversichern, dass er wertvoll und wunderbar ist.

Das ist in dem Beispiel der fehlenden emotionalen Antwort anders. Hier sucht der Mensch nach Nähe und Verbindung oder sogar nach Bestätigung seiner Identität. Deshalb sind mir die Begriffe Empathie oder emotionale Antwort lieber.

Meiner Meinung nach ist es genau das, was sich der Narzisst zunutze macht. Menschen mit dem Bedürfnis nach emotionaler Antwort sind meistens sehr empathisch. Sie beantworten andere Menschen in ihren Emotionen entweder ganz natürlich oder weil sie den Schmerz selbst gut kennen und andere davor bewahren wollen. Der Narzisst nutzt diese Bühne und gewinnt in diesem Spiel an Macht, weil er eben nicht emotional antwortet.

Die frühen Folgen fehlender Empathie

Weil die Ursache für für den Schmerz bei fehlender Antwort meist früh in der Kindheit liegen, fallen die Opfer von Narzissten nicht selten völlig in sich zusammen. Das kann so weit gehen, dass sie vom vormals starken Erwachsenen emotional auf die Stufe eines Kleinkindes zurückfallen mit entsprechenden Folgen. Ein Mensch in diesem Zustand ist nicht fähig als Erwachsener zu handeln. Ohnmachtsgefühle und Selbstwertverlust sind häufige Folgen. Je größer das Gefühl von Kontrollverlust, desto früher und ausgeprägter war der Mangel an Spiegelung in der Kindheit.

Empathie entsteht durch die Spiegelneuronen in unserem Gehirn. Entdeckt wurden diese 1995 durch das Team des italienischen Neuropsychologen Prof. Giacomo Rizzolatti. Wenn Babys emotional nicht beantwortet werden und dadurch keine Bindung entsteht, sterben sie. Mit geringer emotionale Versorgung entwickeln sie sich sowohl psychisch als auf physisch langsamer. In der Bindungstheorie wurde hierzu der Begriff der psychischen Deprivation geprägt. Der Begriff geht zurück auf den tschechischen Forscher und Kinderpsychologen Zdeněk Matějček.

Matějček spricht von vier psychischen Grundbedürfnissen, bei denen sich jeweils zwei polar gegenüber stehen.

  1. Das Bedürfnis nach Veränderlichkeit – unterschiedliche Reize und Stimulation
  2. Das Bedürfnis nach Stabilität – Sicherheit durch Ordnung und Grenzen
  3. Das Bedürfnis nach Bindung – emotionale Antwort durch Bezugsperson
  4. Das Bedürfnis nach Unabhängigkeit – Freiheits- und Wachstumsbedürfnisse

Aus diesen Grundbedürfnisse lassen sich leicht die vier menschlichen Grundängste ableiten. Nachzulesen in Grundformen der Angst von Fritz Riemann. Es gilt als erwiesen, dass diese Ängste durch Versäumnisse oder ein Zuviel in einem der vier Bereiche entstehen. Ich möchte hier nicht allzu theoretisch werden. Als fühlender Mensch sind wir auch ohne Wissenschaft in der Lage, die Folgen fehlender Bindung empathisch nachzuvollziehen.

Auswirkungen auf das Identitätsgefühl
Stelle dir ein Baby vor, das seine Mutter anlächelt. Und nun stelle dir vor, dass die Mutter nicht zurück lächelt oder noch schlimmer, das Baby gar nicht anschaut. Das kann leicht geschehen, etwa wenn die Mutter an einer postpartalen Depression leidet. Babys können noch nicht zwischen Ich und Du unterscheiden. Wenn die Mutter es nicht anschaut oder emotional mit einem Lächeln antwortet, ist das für das Baby so, als wäre es nicht da.

Durch Spiegelung erfährt es eine Bestätigung seiner Identität.

„Sie lächelt zurück, also bin ich.“

Fühle dich in dieses Baby ein. Was fühlt es wohl, wenn es nicht gesehen und beantwortet wird? Wie geht es dir, wenn dich jemand ignoriert? Du bist erwachsen. Das Baby kann noch nicht sprechen und ist völlig abhängig von den Reaktionen der Bezugsperson. Es wird das Gefühl haben zu sterben, wenn es nicht in seiner Identität bestätigt wird. Diese Angst ist nicht nur nachvollziehbar, sondern auch begründet. Denn tatsächlich sterben Babys, die gar keine emotionale Zuwendung erhalten.

Auswirkungen auf das Erfolgsverhalten

Eine andere Folge von fehlender Spiegelung in der frühen Kindheit kann Erfolglosigkeit sein. Wenn ein Baby wiederholt die Erfahrung macht, dass niemand auf sein Schreien antwortet, kann es seine Schlüsse daraus ziehen. So entstehen Glaubenssätze, wie…

„Egal was ich tue, es bringt ja doch nichts!“

„Ich mache und mache, aber keiner nimmt es wahr! Es ist, als wäre ich gar nicht da.“

Solche Glaubenssätze tragen wir in uns. Mit ihnen ist es fast unmöglich, erfolgreich zu sein. Sie haben Macht über uns, bis wir erkennen, dass sie nicht mehr zutreffen. Drückt jemand durch sein Schweigen einen dieser Knöpfe, geraten wir innerlich in dieselbe Not, die wir als Babies gespürt haben. Nur können wir diese Verbindung zu dem ursächlichen Ereignis nicht ziehen . Wir verstehen unser eigenes Verhalten nicht mehr.

Ignorieren kann eine mächtige emotionale Waffe sein, genauso wie Schweigen.

Kommunikation im Fluss

Wir wollen von anderen so gesehen zu werden, wie wir wirklich sind. An ihrer Reaktion erkennen wir , ob sie uns richtig verstanden haben – uns richtig sehen. Sehen sie uns nicht richtig, wollen wir dieses falsche Bild nachbessern. Deshalb ist es in beruflichen wie in privaten Kontakten wichtig, anderen zu erlauben sich ganz auszudrücken.

Kommunikation ist fließende Energie zwischen zwei Menschen.

Sie bleibt im Fluss, wenn wir uns aufeinander beziehen. Dadurch entsteht „Be-„ziehung.

Möglichkeiten, sich auf das Gesagte zu beziehen können sein:

  • Bejahen
  • Nicken
  • Mit dem Körper spiegeln
  • Wiederholen des Gesagten mit eigenen Worten
  • Nachfragen, ob etwas richtig Verstanden wurde
  • Empathisches Hinhören mit Blickkontakt

Wichtig ist, dass der Mensch in seinem Bedürfnis zu Teilen oder Verbindung herzustellen wahrgenommen und nicht abgelehnt wird. Ratschläge, Bewertungen und Beschwichtigungen verhindert das. Sogar wenn ein Zuhörer nicht derselben Meinung ist oder das Gefühl nicht nachvollziehen kann, ist empathisches Zuhören möglich. Es geht darum, dass einem anderen die Wahrnehmung seiner Welt zu lassen.

Die Welt durch deine Augen…
Ganz einfühlen können wir uns in die Welt unserer Mitmenschen jedoch nicht. Es bleibt bei dem Versuch, durch möglichst viele Informationen aus erster Quelle in uns ein emotionales Bild vom Anderen entstehen zu lassen. Je näher es an der Wahrheit des Erzählenden ist, desto mehr fühlt sich dieser verstanden. Völlige Übereinstimmung ist durch Kommunikation nicht erreichbar. Es ist jedoch möglich, dass sich der Erzähler in seiner emotionalen Welt gesehen und verstanden fühlt. Dafür braucht es keine völlige Übereinstimmung.

Je mehr Eigenes wir einbringen während unser Gesprächspartner sich mitteilt, desto weniger verstehen wir von ihm oder ihr. Klick um zu Tweeten

Eine ähnliche Erfahrung in der eigenen Geschichte kann bei der Einfühlung helfen. Wirklich hilfreich sind wir jedoch dann, wenn wir uns im Gespräch von der eigenen Geschichte lösen, um die Welt des Gesprächspartners zu verstehen. In diesem Artikel beschreibe ich, warum das so ist.

Das größte Geschenk an den Erzähler ist von dem Punkt des Nicht-Wissens zu kommen. Damit schenken wir den Raum, den er oder sie braucht und zeigen echtes Interesse. Das ist für mich die höchste Form der Wertschätzung gegenüber der emotionalen Welt eines anderen Menschen.

In dieser Form kann Kommunikation sogar emotionale Wunden heilen.

Welche Erfahrung hast du mit Schweigen gemacht?

Deine

Claudia

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4 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Jana Ludolf sagt:

    Liebe Claudia,

    vielen vielen Dank für deinen wertvollen Beitrag zur Blogparade #Für mehr Wertschätzung. Er berührt mich sehr.
    Es ist genau so, wie du es beschrieben hast. Fehlende Wertschätzung kann Spuren hinterlassen. Tiefe Narben auf der Seele, zugeführt in frühster Kindheit. Dieser Grund alleine reicht aus, sich mit seiner Wertschätzung zu beschäftigten. Diese zu erhöhen und weiterzuleiten.
    Von Herzen liebe Grüße
    Jana

    1. Liebe Jana,
      vielen Dank für die wunderbare Möglichkeit, noch einmal tief zu diesem Thema hinzuspüren. Es hat etwas gedauert, weil dieser Beitrag erst ausgebrütet werden wollte 🙂 Ich glaube auch, dass das alleine ausreicht, um sich mit Wertschätzung zu beschäftigen und sie tief zu ergründen. Was dadurch frei wird ist so köstlich und süß, dass es alles verändern kann.
      Sonnige Herzensgrüße
      Claudia

    1. Lieber Jörg,
      vielen Dank für dieses tolle Feedback. Es freut mich, wenn sich ein geschätzter Kollege von dem angesprochen fühlt, was ich schreibe. Dein Beitrag zur Blogparade von Jana hat mir auch sehr gut gefallen.
      Herzliche Grüße
      Claudia

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